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An Hochleistung wollen viele teilhaben

Wie das Leben so spielt, jedes Unternehmen hat irgendwo einen schwachen Punkt. So auch adidas. Der schwache Punkt ist aber nicht irgendwo, sondern an zentraler Stelle: Der Schwachpunkt der Nr. 3 der Weltmarken ist seit ihrem Kauf 2006 die Firma Reebok. Sie macht noch immer Verluste. Interessant dazu die Stellungnahme des Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer bei seiner Erläuterung des Lageberichts zum Geschäftsjahr 2007. Er redete erst gar nicht um die Problematik herum, wie man das bei anderen AGs in der Saison 2008 wiederholt erlebt hat, sondern nannte Ross und Reiter. Das dürfte die anwesenden Aktionäre überzeugt haben, dass diese harte Nuss in einer überschaubaren Zeit geknackt wird.

Die Rede von Hainer war eindrucksvoll, nicht nur der Zahlen wegen: Wir befinden uns in einer aufregenden und aufgeregten Zeit, weil in den kommenden Wochen und Monate sehr wichtige Sportveranstaltungen stattfinden, über die viel und heftig diskutiert wird. Und weiter: "So beginnen am 8. August die Olympischen Spiele in Peking. Wenn die Sportler der Welt an einem Ort zusammenkommen, dann zeigt sich sehr eindrucksvoll, dass der Sport keine Grenzen kennt und dass es die Sportler sind und nicht die Politiker, die den olympischen Geist verkörpern." Hainer umreißt die Problematik und Aufgeregtheit in der Öffentlichkeit, stellt aber ganz klar heraus, dass sich sein Unternehmen nicht für politische Meinungen und Ziele einspannen lässt.

Auch die wirtschaftlichen Aspekte seiner Rede beeindrucken. Das weltweit tätige Unternehmen hat besondere Erfolge in
- Europa, plus 7 Prozent
- Asien, plus 18 Prozent
- Lateinamerika, plus 38 Prozent

Die Marktführerschaft wurde in Asien und im Pazifikraum ausgebaut und dazu tragen Japan, China, Indien und Korea wesentlich bei. Asien boomt und adidas boomt mit, so Hainer. Am stürmischen Wachstum der Märkte in Ost- und Südosteuropa nimmt adidas überdurchschnittlich teil. So wächst adidas z.B. in Russland so schnell, dass es schon jetzt einer der wichtigsten Märkte in Europa ist. Mit über 50 % Marktanteil ist adidas dort Nr. 1, und bis 2010 wird Russland der größte Markt Europas für adidas sein. Im Jahre 2007 hat adidas allein in Russland über 200 neue Stores aufgebaut. Wer Hainer zuhört, ist elektrisiert. Jedes Jahr bewerben sich 60.000 Menschen, die sich von dieser Marke angezogen fühlen. adidas ist ein Weltkonzern und die Welt beginnt in Herzogenaurach, so Hainer.

Auch die Versammlungsleitung verdient Pluspunkte: Es ist nicht immer unproblematisch, wie in den letzten Wochen die Beispiele einiger HVs demonstriert haben, als Versammlungsleiter straff und ruhig durch die Veranstaltung zu führen. Bei adidas zeigte der AR-Vorsitzende Dr. Hans Friderichs eine Art, auf Sorgen und Wünsche der Menschen einzugehen, die man anderen Versammlungsleitern wünschen möchte.

Kritischer ist der Geschäftsbericht, 210 Seiten stark und traditionell im Querformat. Zwei Beispiele für eine Lesbarkeit, die keine ist: Headlines in Versalien oder kleine Schriften auf grauen Seiten sind für Menschen, die von Berufs wegen viel lesen, für Menschen mit Brille und vor allem natürlich für die ältere Aktionärszielgruppe eine Strapaze. Ist Ästhetik wichtiger als Lesbarkeit? Vielleicht kann das Stichwort "Barrierefreiheit" die Macher zum Nachdenken anregen?

Im Gegensatz zum Geschäftsbericht erfreute die gut gemachte Ausstellung der drei Produktgruppen adidas, Reebok und TaylorMade und gab eine exzellente Übersicht über deren Leistungen.

Zufrieden waren die Aktionäre auch mit dem Catering. Dass das Service-Personal herumging und die gut und reichlich belegten Brötchen anbot, trug zur entspannten Atmosphäre bei. Es ist eine Frage der Unternehmenskultur, ob die Mitarbeiter die Besucher persönlich ansprechen und nicht nur professionell-freundlich sind, sondern als echte Gastgeber auftreten.

Die Generaldebatte fällt kurz aus, um 14.05 h ist schon alles vorbei. Die meisten Fragen beziehen sich auf Umweltfragen wie Saubere Kleidung, Produktion in China und Südamerika. Die Abstimmung aller neun Tagesordnungspunkte geht mit rund 99 % glatt durch.

Wer Hauptversammlungen, große wie kleine, kritisch begleitet, sieht nirgendwo deutlicher die Diskrepanz zwischen Unternehmen, Marke und HV. Würde man nicht bei adidas erwarten, dass die Jugendlichkeit, Frische und Hochleistung von Sport und Markenimage auch die HV prägen würde? Sind es wirklich die Regularien und die juristischen Risiken, die auch hier das Unternehmen auf den ausgetretenen Pfaden halten? Könnte man nicht die Aktionäre, vor allem die vor Ort, begeistern statt bedienen? Die HV als Event würde auch die Medien stärker anziehen und damit die in Deutschland bescheidene Berichterstattung erweitern. Dass dann jüngere Aktionäre aus dem fernen Osten oder aus Südamerika zur Hauptversammlung von adidas anreisen würden, gäbe dieser Veranstaltung eine Dimension, wie sie dem Unternehmen entspräche. Das Jubiläumsjahr 2009 wäre ein passender Anlass für neue Dimensionen!

Technische Daten:
adidas AG
Hauptversammlung: Fürther Stadthalle, Fürth, am 08.05.2008
Kapitalpräsenz: 52,98 % des stimmberechtigten Grundkapitals
Mitarbeiter 2007: 31.344
Dividende: 0,50 €