Die gelbe Finanzpalette der Commerzbank AG schmückte ihre Hauptversammlung am 20.5.2005 in Frankfurt-Hoechst
Ohne Proteste vor oder in der Halle, ohne Drängelei und Gängelei, in familiär-entspannter Atmosphäre hatten sich etwa 3.000 Aktionäre in der Jahrhunderthalle in Hoechst eingefunden, um sich über die Geschäftsentwicklung der Commerzbank informieren zu lassen. Niedriger Aktienkurs, schwelende Übernahmegerüchte, bescheidene Dividende: Bei dieser Ausgangslage wäre mancher Manager mit kalten Füßen in die Hauptversammlung gegangen. Doch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller lächelte entspannt in die Kameras. Die Aktionäre fanden fast nur lobende Worte für die Arbeit des Vorstands. „Drei Jahre war der Laden krank, nun zahlt er wieder, Gott sei Dank“, dichtete ein Aktionärssprecher. Mit 20 Cent macht die Schwalbe noch keinen Sommer, das kommentierten alle Wortmeldungen. Zumal die Zahlen des ersten Quartals 2005 die Hoffnung dämpfen, trotzdem strebt die Bank weiteres Wachstum und eine höhere Rendite an.

Wie bei der Publikumsfrage „Wer wird Millionär“ stimmen die Aktionäre bei der Commerzbank ab: statt Stimmzettel auszufüllen, wird auf dem Gerät im Handyformat Ja oder Nein eingetippt. Das Ergebnis wird per Funk übertragen, die Auswertung erfolgt nahezu zeitgleich und erspart dem Veranstalter die langwierige Auszählung. Dass die Hauptversammlung erst um 21.30 Uhr endete, hatte andere Gründe.
Dass die Commerzbank AG mehr Unternehmen umfasst als nur die bekannte Hausbank mit dem gelben Logo, wissen ihre Aktionäre. Wer Näheres über die Commerzbank-Töchter erfahren wollte, konnte sich an diesem Tag rundum kompetent beraten lassen. Cominvest, Comdirekt Bank, Commerzbank, Volksfürsorge und Adig Investment boten an eigenen Informationscountern ihre Prospekte an, eigene Mitarbeiter standen Rede & Antwort.

Der Wunsch der Aktionäre nach einem Souvenir war hier wie auf allen Hauptversammlungen groß; die wenigsten AG’s haben bisher dafür eine Strategie, wie mit diesem Wunsch umzugehen ist. Das gilt auch für die Commerzbank: Dass das Geschenktütchen am Adig-Stand verteilt wurde, war wohl eher Zufall und brachte der Adig zwar viel Zulauf, aber nicht die qualitativ hochwertigen Kontakte, die angestrebt wurden.
Was für die Geschenke gilt, trifft auch auf die Informationen zu: Der Wille, die Aktionäre zu informieren, war bei der Commerzbank sichtbar. Die Hauptversammlung bot eine großzügige Auswahl an Tageszeitungen wie ein Kosk an. Auf die eigenen Aktionäre zugeschnittene Informationen über das Unternehmen Commerzbank suchte man vergeblich: Werbeplakate, wie sie jeder Kunde aus der Bankfiliale kennt, bringen keine neuen Erkenntnisse; und einen Investor Relations-Stand hatte die Bank nicht eingerichtet. Das Internet war Standard mit der Live-Übertragung der Reden. Im Nachgang wurden dazu die Charts und die Abstimmungsergebnisse veröffentlicht.