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Hauptversammlung Commerzbank AG
Das waren zwei harte Tage für Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank. Wenn man allein die Headlines der nebenstehenden Tageszeitungen liest, kann man den eigentlichen Tenor der Veranstaltung erkennen. Dass alles so gekommen ist, wie es kam, hatten die Fachleute schon Tage vorher vorausgesagt. Dass es dann aber so knüppeldick kam, damit hatte keiner gerechnet. Natürlich waren die Aktionäre aufgebracht, sicher aber nicht allein wegen der Commerzbank. Hier bekam die Bank die Leiden der Aktionäre zu spüren, die sie auch bei anderen Aktiengesellschaften eingesammelt hatten. An diesem Tag hätte man eigentlich eine leidenschaftliche Rede des Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing erwartet anstelle einer Sachrede, deren Inhalte über längere Passagen bereits bekannt waren. Hier wäre die Möglichkeit gewesen, eine Skizze der neuen Bank an die Wand zu werfen und auch einen Appell an die Besitzer zu wagen, dabei zu bleiben, um eine "neue", hochseefähige und stromlinienförmige Bank auf "Große Fahrt" zu schicken. Dass die Commerzbank mit dem zeitlichen Erwerb der Dresdner Bank Pech gehabt hat, wollte keiner so recht hören, aber es stimmt. Was die Aktionäre aber auch noch umtrieb, war die Tatsache, dass die Allianz diese Bank um fast jeden Preis loswerden wollte, "weil sie nicht mit ihr klar kam", wie ein Aktionär in der Aussprache meinte und man sich fragte, ob die Commerzbank überhaupt in der Lage wäre, die Aufgabe einer guten Zusammenführung schultern zu können. Dass die Antworten von Blessing nicht nur gut gemeint waren, sondern auch ehrlich schienen, tat allerdings der Aktionärsaggression keinen Abbruch. Für die Veranstaltung dieser großen Hauptversammlung wäre jedoch eine professionellere Fragestellung der Aktionäre zielführender gewesen, als das viele Lamento.
Was nach der Rede kam, konnte man zum Teil im O-Ton in den Zeitungen nachlesen. Die Verluste der Aktionäre jedenfalls wurden an der angeblichen Unfähigkeit des Vorstands festgemacht. In der Generaldebatte, die letztendlich über zwei Tage geführt wurde, blieb buchstäblich kein Auge trocken. Die Themen, allein vom ersten Tag, waren so zahlreich, dass man an dieser Stelle nur einige nennen kann. Generaldebatte (Auszug):
Literatur (Auszug):
Morgens:
Zusammenfassung: Der Einstieg des Staates bei der Commerzbank ist perfekt. Nach zweitägiger Debatte billigten die Aktionäre die nötige Kapitalerhöhung und die Stützung über den Bankenrettungsfonds. Dafür wird der Bund mit 25 Prozent plus einer Aktie größter Einzelaktionär bei der Commerzbank. Die Öffentlichkeitsberater der Bank haben allerdings kläglich versagt. Außer den gesetzlichen Mindestanforderungen, Geschäftsberichte D+E, Q1, Rede des VV gab es kaum etwas, womit Aktionäre (überwiegend Kleinaktionäre) sich hätten beschäftigen können. Es gab im Saal und in der Cafeteria immer wieder die gleichen Fragen, nicht nur wie es weitergehen soll, sondern in welcher Form kommt die Bank aus der Krise, wie wird sie aufgestellt sein, wo sind die Zukunftsszenarien? Dass Aktionäre und Presse das Commerzbank-Desaster ausgiebig beschimpfen bzw. die negativen Seiten darzustellen versuchen, ist ihr legitimes Recht. Dass aber die Bank so wenig zu ihrer eigenen Zukunft sagen konnte oder wollte, war mehr als schade. Die Chance und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit dazu hatte sie.
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