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In Berlin strahlt ein Stern





Ab 10 Uhr läuft in zwei Sälen der Messe die erste Hauptversammlung der neuen Daimler AG ab. Die kreative Ausgestaltung der Säle ist etwas einfacher geworden, das Bühnenbild schlicht, nur noch der breite Schriftzug "Daimler" steht auf einer weißen Fläche hinter dem Podium. Die Sitze von Vorstand und Aufsichtsrat sind niedrig verkleidet, alles in lichtem Grau. So können die Besucher die Mitglieder des Podiums viel besser sehen. Der breite Platz zwischen Vorstand und der ersten Sitzreihe ist durch eine Trennfläche ausgebildet, die in ihrer verschrägten Art an die Form von Tarnkappenbombern erinnert. Nicht schlecht gemacht.

6.500 Aktionäre, meldet der Veranstalter, sind dieses Jahr nach Berlin gekommen, um zu hören, wie sich das neue Unternehmen ohne den Appendix Chrysler aufgestellt hat. Das sind 30 % weniger als im Vorjahr, eine kontinuierlich sinkende Teilnehmerzahl in den letzten Jahren. Der Aufsichtsratsvorsitzende wünscht sich eine interessante Aussprache, offen und ehrlich, hart in der Sache, aber sachlich im Ton. Später wird man hören, dass sich nicht alle daran halten werden.

Das Unternehmen hat die Vergangenheit mit Schrempp abgeschüttelt, dies ist ein echter Neuanfang. Da die Welt sich stärker und schneller verändert, als manchem im Saal lieb sein dürfte, hat der Vorstand jetzt die Hände frei, sich den großen, neuen Aufgaben anzupassen. Vor allem der ferne Osten stellt allerhöchste Anforderungen an das Fahrzeuggeschäft, und im Westen, in den USA, brechen die Märkte weg. Die Aktionäre hören gebannt zu.



Die Rede des Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche ist 17 Seiten lang und aufgefüllt mit allem, was mit Autos weltweit zu tun hat. Vielleicht wird das Unternehmen beim nächsten Mal die so aufbereiten können, dass die Zuhörer nicht nur Vielfalt hören, sondern Inhalte strukturiert aufnehmen können. Viele Besucher wenden ihre Aufmerksamkeit dem Geschäftsbericht zu: 206 Seiten, dazu 16 Seiten Inlet im Umschlag mit emotionalen Farbabbildungen der Flotte des Konzerns. Das Schriftbild fördert ein flottes Blättern: relativ kleine Schrift mit geringem Durchschuss. Die Tabellenschrift ist noch kleiner. Die Gestalter müssen wohl noch sehr jung sein, dass sie ihre eigenen Augen als Maßstab nehmen statt die ihrer Leserschaft.

Eine Fülle an zusätzlichen Informationsmaterial versöhnt: z.B. der "Jahresabschluss der AG", "Der Weg zur nachhaltigen Mobilität", "Verhaltensrichtlinien", "Satzung", "Tagesordnung", "Erweiterte Tagesordnung", "Gegenanträge von Aktionären" und selbstverständlich die Rede des Vorstandsvorsitzenden. Drei Internet-Terminals und ein Counter der Daimler-Bank runden das Informationsangebot ab.

Während die Redner im Saal an den Start gehen für die Aussprache, wird das Buffet im großen Bereich der Messe Berlin an mehreren Plätzen eröffnet. Die Speisenkarte sieht vor:
  • rote Wraps mit Kochschinken und Paprika
  • grüne Wraps mit Tomaten-Mozarella und Pesto/li>
  • Baguettes mit Gouda und Salami/li>
  • Berliner Teller (2 kleine Frikadellen, ein Schinkenwiener, Kartoffelsalat mit Mayonnaise, ein Brötchen)/li>
  • Semmelknödel mit Waldpilzsauce und Kräutern/li>
Der Andrang an den Tresen ist beachtlich, aber die Zuteilung klappt.

Die ersten Redner liefern, wie üblich, positive Kommentare. Die Antworten des Vorstands sind ausführlich und zufriedenstellend. Im weiteren Verlauf der Aussprache wird der Umgangston jedoch rauer, die Angriffe einzelner Aktionäre persönlich. Angesichts von 30 Rednern auf der Wortmeldeliste wird die Redezeit auf 5 Minuten eingeschränkt. Das weckt hörbar Aggressivität. Trotzdem, der Vorstand hält den ruhigen, besonnenen Ton durch.

Zwischenzeitlich wird die Präsenz bekannt gegeben: Mit gut 42 % liegt sie um 3 bis 4% höher als in den Vorjahren. Vielleicht spiegelt sich darin eine neue Aufmerksamkeit der Aktionäre für die neue Konzern-Strategie.

Die erhöhte Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder wurde mit nur 95,60 % verabschiedet - im Unterschied zu den obligatorischen 99 % der Entlastungen. Zwei Anträge zur Satzungsänderung aus Aktionärskreisen fanden zwar nur eine geringe Zustimmung, werden aber im nächsten Jahr wieder auftauchen: Mandatsbegrenzung für Aufsichtsratsmitglieder und Wortprotokoll der Hauptversammlung.