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Hauptversammlung der Daimler AG


Same procedure as last year
Hauptversammlungen scheinen in diesem Jahr an Attraktivität zu verlieren. Waren im letzten Jahr noch etwa 7.000 Daimler-Aktionäre nach Berlin gekommen, waren es dieses Jahr nur noch rund 5.000 Besucher. Das mag zum einen daran gelegen haben, dass die Dividende wegen der schlechten Wirtschaftslage entfällt, für manchen mögen auch die Reisekosten heutzutage eine andere Rolle spielen. Letztendlich entscheidet sich die Teilnahme daran, wie attraktiv die Veranstaltung zu sein verspricht. Und daran fehlt es nach wie vor. Je kritischer die wirtschaftliche Lage, desto mehr sind Ideen gefragt, Aktionäre „bei der Stange zu halten“ bzw. näher an das Unternehmen heranzuführen. Von einem Global Player darf man erwarten, dass er auch in puncto Kommunikation mit seinen Aktionären Vorreiter ist und durchaus neue Wege geht.

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Verhandlungsleiter Bischoff trat souveräner auf in der Behandlung aller Tagesordnungspunkte und konnte sich auch gegenüber aggressiven Aktionären gut durchsetzen, der Ton lässt allerdings nach wie vor zu wünschen übrig. Eine persönlichere Note wäre bei den Aktionären sicherlich gut angekommen.

Auch vom Vorstandsvorsitzenden Dr. Zetsche hätte man einen persönlicheren Vortrag erwartet. Die 18-seitige Rede diente als Dauernachweis, dass man die Krisenprobleme in den Griff bekommen habe und dass es jetzt zügig mit dem Unternehmen aufwärts gehe. Mit diesen Ausführungen konnte der Redner die Aktionäre „nicht mitnehmen“. Dabei hätte es aus dem letzten Jahr viel zu berichten gegeben, um aufzuzeigen, dass die Aktionäre beim richtigen Unternehmen engagiert sind. Schade um den Redenschreiber.

In der Generaldebatte bemühten sich viele, trotz sehr widersprüchlicher Auffassungen, vom Unternehmen weitere Informationen zu erhalten. Wie in jedem Jahr stand auch diesmal das Thema Südafrika auf der Fragenliste.

Der Autosalon war wie immer ein exzellenter Blickfang. War der SMART im HV-Saal ein ganz besonderes und auch empfindliches Thema, überzeugte er vor den Saaltüren in dekorativer Schönheit. Auch die neuen Antriebstechniken mit ihren Motorisierungen zogen die Aufmerksamkeit vieler Aktionäre auf sich. Hier wurde ein gutes Bild von der Kompetenz und Leistungskraft des Konzerns geliefert. Die visuelle Kommunikation vor der HV-Halle war mit Abstand überzeugender als die akustische in der Halle.

Für Essen und Trinken war gut gesorgt, Reklamationen, wie auf der einen oder anderen HV in dieser Saison, wurden nicht laut.

Die Abstimmungsergebnisse fielen zum Teil sehr unterschiedlich aus. Von 11 TOPs lagen 7 unter der Schmerzschwelle von 4% Nein-Stimmen. TOP 7 „Ermächtigung zum Einsatz von Derivaten im Rahmen des Erwerbs eigener Aktien“ hatte 13% und TOP 11 „Ermächtigung zur Ausgabe von Wandel-und/oder Optionsschuldverschreibungen, Schaffung eines Bedingten Kapitals 2010 und Satzungsänderungen“ brachte es auf über 15% Nein-Stimmen.

Der Geschäftsbericht 2009 ist mit 256 Seiten einer der Schwergewichte. Der überwiegend 2-spaltige Umbruch ist lesefreundlich strukturiert. Ob die Inhalte den Erwartungen mehr entsprechen als in den Jahren vorher, war im Rahmen der Veranstaltung nicht auszumachen. Die Qualität der Autofotografie, die man von einem Markenunternehmen erwartet, erfüllt er jedenfalls nicht.



Daimler HV, 14 04 2010