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Presseheadlines | |||
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Marathon einer Generaldebatte
Pünktlich um 10:00 Uhr eröffnet der Aufsichtratsvorsitzende und Versammlungsleiter Dr. Clemens Börsig die Hauptversammlung. Vor ihm sitzen rund 6.000 Aktionäre, die von den Verantwortlichen hören wollen, was die Bank zur weltweiten Finanzkrise zu sagen hat, und die sich natürlich auch Hinweise erhoffen, welche Chancen eine Kurserholung ihrer Aktie hat, und wie das Jahr 2007 für die Bank gelaufen ist. Die Rede des Vorsitzenden des Vorstands Dr. Josef Ackermann dauert exakt 51 Minuten für 20 Seiten Redemanuskript. Die Vortragstechnik mittels Teleprompter will allerdings noch etwas geübt werden. Man könnte Gundula Gause und Claus Kleber vom ZDF abends um 21:45 Uhr beim heute-journal ein wenig zusehen. Doch der Inhalt saß! Zum Thema "Turbulenzen an den Finanzmärkten" hätte Ackerman noch ausführlicher sein dürfen. Aus berufenem Munde zu hören, wie sich seit Mitte letzten Jahres die Finanzmärkte verändert haben und was sich dort abgespielt hat, wäre für die Aktionäre nutzbringender gewesen als das anschließende vielstündige Fragen- und Antwortkarussell. Wer zu einer Hauptversammlung der Deutschen Bank kommt, weiß, wen er vor sich hat. Er ist beeindruckt vom Wert, von den Zahlen, vom Leistungswillen seiner Bank. Er freut sich über die ertragsstarke Dividende von 4,50 Euro, die der Vorstand heute vorschlägt. Er ist fasziniert von der Weltläufigkeit, von den vielen Möglichkeiten, die sich diesem Hause bieten. Er hört etwas über die 78.000 Mitarbeiter, über Aus- und Weiterbildung, auch über die sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen, der sich die Bank stellt. Kaum ein Thema fehlt - nur das Salz: Vom Fernsehen geprägt, erwarten die Zuhörer mehr Konkretes als diese Bandbreite. Ein paar persönliche Anmerkungen des Redners im Manuskript, z.B. zu den schweren Zeiten, hätte deutlicher signalisiert, wie persönlich Ackermann hinter seinem Institut steht. Die Aktionäre haben in den letzten Monaten viel Geld an dieser Aktie verloren. Später, in der Aussprache, wird man Ackermann vorwerfen, er selbst verdiene unangemessen viel. Zumindest ein Aktionär aus dem schönen Lipperland formuliert dies so. Doch das kann man auch anders sehen: Der Mann an der Spitze dieser Bank ist mehr als ein gut verdienender Angestellter; er ist Leitwolf, ein Guide durch die Dickichte dieser Finanzwelt, der Millionen Aktionäre hinter sich weiß, dann passt fast jede Summe. Von diesem Mann haben die Aktionäre auch eine höherwertige Vorstellung. Das gilt nicht automatisch für jeden Vorstandsvorsitzenden, sicher aber für ihn. Das sollten die Redenschreiber für die nächsten Hauptversammlungsmanuskripte bedenken. Die technische Ausrichtung der Hauptversammlung demonstriert die Spitzenstellung der Bank. Es gibt in Deutschland nur wenige HVs, die sich mit der Leichtigkeit und dem Können dieses Events messen können. Das beginnt mit dem 23 m breiten und 6 m hohen Screen hinter Vorstand und Aufsichtsrat. Bei den Grafikpräsentationen würde man sich ein paar Verbesserungen für eine noch bessere Lesbarkeit inklusive einer größeren Barrierefreiheit wünschen. Draußen reihen sich auf den Gängen die Ausstellungsstände, informativ und übersichtlich mit Prospekten und Informationsmaterial, gezählt wurden allein über 30 Broschüren zum Mitnehmen. Mit dem Geschäftsbericht scheint der Aktionär so seine Probleme zu haben, wenn man sich umhört. Die Kreativen, die hier mitgeholfen haben, scheinen wohl wenig Ahnung vom Alter ihrer Leser gehabt zu haben. Dass die Typografie edel ist, ist leider noch kein Beweis, das der Bericht gelesen wird. Wird er aber nicht gelesen, ist der Inhalt und der gesamte Aufwand dahin. Dass die beiden ausgelegten Broschüren "Jahresbericht 2007" und "Gesellschaftliche Verantwortung, Bericht 2007" unterschiedlich gestaltet sind, hat sicher Gründe. Außenstehende verwirrt das jedoch. Dafür haben die Texte, z.B. des Jahresberichtes, einen hohen Verständniswert, sind leicht zu lesen und einprägsam. Den jungen Hilfskräften hätte man vielleicht noch etwas mehr Wissen um die heutige HV mitgeben können. Da haperte es schon mal - nicht in punkto Hilfsbereitschaft, aber bei der Freundlichkeit. Wer um 15:00 Uhr, als die Generaldebatte noch eine lange Strecke vor sich hatte, in die vielfach stumpfen Gesichter der jungen Menschen sah, merkte, das war nicht ihre HV. Sie fühlten sich anscheinend am unteren Ende und gerade sie hätten die Gastgeberfunktion vermitteln können als der verlängerte Arm von Börsig und Ackermann, die sich beide nach Kräften mühten, den Aggressionen zum Trotz, die HV im Saal ruhig zu halten, um die Veranstaltung zu einem guten Ende zu führen. Das Mittags-Catering: Frankfurter Würstchen mit Kartoffelsalat und Brötchen, alternativ eine vegetarische Gemüse-Reis-Pfanne scheinen den Aktionären geschmeckt zu haben. Sicher aber nicht die lange und ausschweifende Generaldebatte. Viele Fragen galten Privatinteressen und orientierten sich nicht am Plenum. Dass sich Menschen an einem Geldhaus dieser Größe reiben können, sei unbestritten. Dass das Plenum dafür missbraucht wird, hat sich der Gesetzgeber so nicht vorgestellt.
Mit diesen Zahlen kann das Unternehmen zufrieden sein. Die Mitglieder des Vorstands wurden mit einer Zustimmung von 98,86% entlastet. Um 21:25 Uhr beendete der Versammlungsleiter Dr. Börsig die diesjährige Hauptversammlung und lud zur nächsten HV am 26. Mai 2009 in die Festhalle Frankfurt ein. Ein langer Tag ging zu Ende.
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