Gute alte Zeit und neue Herausforderungen: Jubiläum bei der Lufthansa
Die Deutsche Lufthansa AG blickte auf ihrer Hauptversammlung am 18. Mai 2005 in Köln auf 50 Jahre Steigflug zurück.

Die Hauptversammlung stand ganz unter dem Motto „50 Jahre Lufthansa“: einen Blick zurück ermöglichte ein Film, der bis zur Eröffnung auf allen Monitoren und Leinwänden lief. Gesprächsstoff lieferten ausgestellte Oldtimer und Hostessen in der Uniform des Flugpersonals der 60er Jahre, gleich zu erkennen an den weißen Baumwollhandschuhen. Anziehungspunkt war dann auch der Counter, an dem per Gewinnspiel die DVD des Films zu gewinnen war. Das Thema „50 Jahre“ löste bei fast allen Rednern Wortspiele zur Dividende aus: 50 Cent wäre besser gewesen als 30 Cent, und noch besser, hätte es die 50 Cent im Jubiläumsjahr als Bonus gegeben. Heitere Zustimmung bei den Aktionären.
Alles andere war Neuzeit: In der Generaldebatte, zu der 14 Wortmeldungen vorlagen, stürzten sich die ersten, professionellen Redner auf das Thema Bsirske und Kühhirt, beide im Aufsichtsrat, beide Verdi-Vertreter. Gefordert wurde von den kritisierten Personen, sich für eine Seite zu entscheiden und einzusetzen, gefordert wurde aber auch vom Gesetzgeber, juristische Konsequenzen zu schaffen, wenn ein AR-Mitglied nicht entlastet wird.

Die Rede von Wolfgang Mayrhuber, der in diesem Jahr zum ersten Mal als Vorstandsvorsitzender vor der Aktionärsversammlung sprach, war nahezu losgelöst vom Geschäftsbericht, auch wo er über das abgelaufene Geschäftsjahr referierte. Diese Rede kam ganz ohne Charts und Tabellen aus. Eine Rede, die nach der Begrüßung der Internet-Gemeinde von Anfang bis Ende um den Zuhörer warb: „Es macht Freude, für dieses Unternehmen zu arbeiten, und ich bin stolz darauf...“
Zum Schluss setzte Mayrhuber noch politische Akzente. Er forderte die Politiker auf, sich mit ihren Aufgaben zu befassen und nicht mit „Heuschrecken“-Reden Investoren zu verunsichern. Zu diesen Aufgaben zählte er die Genehmigungsbürokratie mit aberwitzigen Kosten und Zeitspannen, die viele Projekte und Pläne veralten ließen. Dass sich Regionalpolitiker lieber dem Aus- und Umbau ehemaliger Militärflughäfen zuwenden statt die komplexen Probleme der Drehkreuze zu lösen, war deutlich und löste anhaltenden Beifall aus.

Die knapp 5.000 Teilnehmer verteilten sich in der Köln-Arena so geschickt, dass nirgendwo Gedränge entstand. Buffets trennen die Zugangstüren, so dass jeder beim Ausgang sofort eine Essenausgabe fand; das spart eine Beschilderung. Nur ein Stand war stärker besucht: der WorldShop, wo Lufthansa-Artikel zu Sonderpreisen angeboten und rege verkauft wurden – bei der Lufthansa ging man nicht ohne Souvenir nach Hause.

Informationen zum Ablauf der Hauptversammlung gab es gedruckt beim Eingang; man sah nur wenige, die versuchten, im Halbdunkel der Halle die Anleitung zu lesen. Der Investor Relations-Stand bot sechs Internet-Terminals an und führte die Homepage in einer Videopräsentation auf Großformat vor. Bis zum Vortag waren Anmeldung oder Abstimmung online möglich; wie die Lufthansa veröffentlichte, haben fast 5.000 Aktionäre von diesem Medium Gebrauch gemacht.