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Hauptversammlung Deutsche Post AG
Jahrhunderthalle Frankfurt am 25. Mai 2011 Eine Hauptversammlung bei herrlichem Sommerwetter ist für die Aktionäre immer einen Ausflug wert. Der Schlusskurs der Deutsche Post AG von € 13,48 am Ende des Tages hatte jedoch wenig mit dem Sonnenschein und dem strahlend blauen Himmel über der schneeweißen Kuppel der Jahrhunderthalle in Frankfurt zu tun. Im Saal versammelten sich etwa 1.200 Aktionäre, was einer Präsenz von immerhin 64,7% entspricht. Das Frühstück, ab 8:30 Uhr angeboten, ist mit einer Laugenbrezel und Kaffee aus dem Pappbecher eher zurückhaltend. Später werden die Aktionäre über das Mittagessen sagen: Würstchen und Brötchen sind das deutsche Aktionärsessen. Auch hier! Immerhin wurden 10.500 Frankfurter Würstchen mit Senf und Brötchen angeboten. Aufsichtsratsvorsitzender Dr. von Schimmelmann brachte seine Ansprache gut an das Publikum. Leider konnte er die Aktionäre mit seinen Ausführungen weder beeindrucken, noch war er in der Lage etwas Fesselndes aus den AR-Sitzungen des vergangenen Jahres zu berichten. Wieder eine Chance vertan. Da gibt es AR-Vorsitzende im DAX, die das Instrument einer AR-Öffentlichkeitsarbeit wesentlich besser beherrschen. Und wie sah es mit der anschließenden Rede des Sprechers des Vorstands Dr. Frank Appel aus? Die Rede des Vorstandsvorsitzenden - übrigens viel zu schnell gesprochen, aber bei 28 Manuskriptseiten und 42 Minuten Redelänge frei vorgetragen - enthielt eine Fülle an interessanten Unternehmensinformationen, denen man nicht täglich begegnet. Schade, dass diese Inhalte dann so trocken herüber kamen. Hätte man nicht die Superleistungen von einem der größten Unternehmen in Europa, lebensnah und lebendig vermitteln können? Was tun die Öffentlichkeitsberater für die Vortragenden aus Aufsichtsrat und Vorstand? Von den später angesprochenen dreistelligen Millionen-Honoraren für Berater des Unternehmens, die von Aktionärsvertretern hart angegriffen wurden, hätte man für eine optimal gestaltete HV weniger als 500.000 € abzweigen können. Das hätte die deutsche Presse und die gesamte Öffentlichkeit von Know-how und Souveränität der Führungselite der Deutschen Post AG überzeugen können. So blieb es bei dem Versuch, das Beste aus dem heutigen Tage zu machen. Nun zu den vorgetragenen Facts: Der Umsatz ist von 46 auf 51 Mrd. € gestiegen. Das Konzernjahresergebnis beträgt 2,5 Mrd. € bei weltweit 470.000 Mitarbeitern. Ein wichtiges Thema auf der HV war, von allen kritisch vermerkt, der schleichende Niedergang der Briefsparte als Standbein Nr. 1 der Post. Der Unternehmensbereich BRIEF bringt zwar noch immer 13,8 Mrd. €, aber der physische Brief verliert seit Jahren peu à peu Anteile an die elektronischen Medien. Der E-Post Brief ist im Kommen, aber es braucht so seine Zeit, bis die Kunden flächendeckend das Angebot annehmen. Das zweite Standbein - DHL - ist nach umfangreichen Umstrukturierungen, so Appel, bestens positioniert. Das Expressgeschäft hat sich blendend im asiatischen Raum geschlagen. Außerhalb von Europa hat das Unternehmen zweistellige Umsatzzuwächse erzielt. Das Netz ist weiter ausgebaut worden. Die Flugzeugflotte wurde erweitert: 13 Maschinen des Airbus A 300-600 wurden gerade gekauft. Richtig spannend waren die Erläuterungen zu dem wenig bekannten Angebot "Smart Sensor", bei dem die Temperatur eines Frachtgutes konstant gehalten werden muss, egal wann und wo die Sendung unterwegs ist, ob im heißen Afrika oder im eisigen Norden. Die kritischen Fragen der Aktionärsvertreter zielten hauptsächlich auf den Aktienkurs, der sich trotz guter Ergebnisse nicht namhaft nach oben bewegt. Diesem Thema widmete sich Appel sehr intensiv. Leider habe man manchmal das Vertrauen der Aktionäre erschüttert. Da dürfe man sich nicht wundern, wenn der Kurs nicht steigt. Das Vertrauen aufzubauen dauere aber immer länger als umgekehrt. Aktionärsschützer sehen den Kurs bei 20 € und höher. Das ist eine herausfordernde Benchmark für das Unternehmen. Die Post schlägt den Aktionären eine Dividende von 0,65 € je Aktie vor. Noch nicht sehr viel, aber damit werden bereits 59% des Ertrags ausgeschüttet, mehr kann man kaum verlangen. Die Struktur der Aktionäre verschiebt sich still und leise: heute hält die KfW Bankengruppe nur noch 30,5% der Aktien, der Streubesitz liegt bei 69,5%, wovon der Anteil der Privataktionäre von 6,6% auf 8,2% gestiegen ist. Die HV verlief ruhig. An mehreren Countern konnten sich die Teilnehmer über die Dienstleistungen der Post informieren. Gerade der angesprochene E-Post Brief erfreute sich großer Nachfrage, konnte man sich hier und heute aus erster Hand sachkundig machen, auch über die juristischen Rahmenbedingungen. Zur Wahl in den Aufsichtsrat stellten sich 5 Kandidaten vor:
Für die technisch interessierten Journalisten gab es ein paar Zahlen zum Aufwand der heutigen Hauptversammlung: So hatte die Bühne eine Größe von 277 qm. Der informative Bühnenrückhorizont betrug 75 qm. Eingesetzt wurden 103 Scheinwerfer, 125 Lautsprecher, 76 Videomonitore, 2 HD-Großbildprojektoren, montiert von 19 Technikern. Interessant auch der Datenverarbeitungsaufwand: 120 vernetzte Rechner ergänzt durch 12 Hochleistungsserver mit unterbrechungsfreier Stromversorgung, 6 km Stromkabel mit netzsynchronem Parallelbetrieb, 2x500 KVA Notstromaggregate in den Händen von 8 Elektrikern. Ein Rundblick durch die Presselandschaft am Tag danach: Börsen-Zeitung: "Post-Chef lehnt Zerlegung ab". "Appel widerspricht Forderungen: Es bleibt bei Brief und DHL - Aktionäre und Vorstand hadern mit Aktienkurs." Handelsblatt: "Der Chef bringt die Post auf Trab - und entschuldigt sich". " Die Umsatzrendite hat er binnen Jahresfrist versiebenfacht, die Weltmarktführerschaft in fast allen Konzernbereichen ausgebaut, im wichtigen Expressgeschäft den Erzrivalen Fedex abgehängt und sich dicht an die Fersen des Rendite-Champions UPS abgehängt." Rhein Main Presse: "Post-Chef will höheres Porto". "Das Briefgeschäft bringt immer weniger / Aktionäre mit Kursentwicklung nicht zufrieden. Seit dem Börsengang vor 10 Jahren hat das Papier rund ein Drittel seines Wertes verloren." Die Welt: "Post will sich nicht aufteilen" "Großaktionär fordert Trennung von Brief und Transportgeschäft. Konzernchef Appel weist Kritik zurück und will sich auf Wachstum der DHL-Bereiche konzentrieren". "Der Druck der Fondsgesellschaften auf die Strategie der Post dürfte dennoch bleiben. Schließlich hat etwa DWS eine dreistellige €-Millionensumme in die Postaktie investiert." FAZ: Netzagentur blockiert Portoerhöhung. "Die Deutsche Post fürchtet um die Leistungsfähigkeit des Briefdienstes, wenn sie nicht endlich höhere Preise verlangen dürfe. Manche Aktionäre haben die Hoffnung schon aufgegeben: Sie verlangen auf der HV eine Abspaltung der Briefsparte." Süddeutsche Zeitung: "Post erwartet mehr Gewinn mit Paketen". "Der Gewinnanteil des Paketdienstes habe vergangenes Jahr erstmals den des Unternehmensbereichs BRIEF überholt."
Eindrucksvolles Bühnenbild mit Vorstand und Aufsichtsrat. Bild rechts: Von links Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Wulf von Schimmelmann und Sprecher des Vorstandes Dr. Frank Appel Links unten: Viel Informationsmaterial für den Aktionär. Rechts unten: Informationsdisplays, dies auf viele Fragen Antworten geben. |
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