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Hauptversammlung der Deutsche Telekom AG am 15. Mai in der Kölnarena

Debüt für einen Neuen

Das Erlebnis war ausdauernd: Die HV zog sich von morgens 10:00 Uhr bis abends 21:30 Uhr hin, also 11 ½ Stunden. Zu lang, meinten die verbliebenen Aktionäre beim Ausgang, denn An- und Abreise kamen ja noch hinzu. Zurückzuführen ist diese Dauer auf die vielen Wortmeldungen in der Generaldebatte. Die Hauptversammlung der Telekom macht überdeutlich, dass eine neue Konstruktion erforderlich ist, um die Redebeiträge inhaltlich zu strukturieren und damit vom allgemeinen Gelabere wegzukommen. Das sollte den Vertretern der Aktionärsverbände ein Anliegen sein. Sie sollten und könnten das Vorbild sein für eine gezielte Frageführung. Die gängige Praxis entspricht dem Vorschlag von Prof. Dr. Weber auf der diesjährigen HV der Post, nämlich ein Zeitlimit von 10 Minuten - die abendliche Tagesschau sei auch nicht länger. Mit Stoppuhr lässt sich das wohl kaum lösen, denn mancher Redner war auch hier & heute sichtbar beflügelt, sich vor einem so großen Publikum zu präsentieren.

Die Probleme sind bei der Telekom allerdings vorprogrammiert. Obwohl der Vorstandsvorsitzende René Obermann sich alle Mühe gab, in seiner 40-minütigen Rede das Unternehmen so positiv wie möglich darzustellen, erregte er den Unwillen seiner Aktionärsredner, weil die menschlichen Probleme innerhalb des Unternehmens nicht ausreichend dargestellt wurden. Zugegeben, es sind immer nur Einzelfälle, die vorgetragen werden, aber sie sensibilisieren das Auditorium und über das zugeschaltete Internet die Zuhörer rund um den Globus. Die Telekom leidet nach wie vor unter dem Image ihrer Vorgänger. Dass vor diesem Hintergrund Fotos von dauernd lächelnden Personen in den Broschüren zur Opposition geradezu herausfordern, haben die Fotografen und Gestalter wohl nicht einmal geahnt.

Die schweren Zeiten der Telekom sind keineswegs vorbei. Angesichts der vielen Ungereimtheiten hatte es der Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzende Lehner schwer, die Redeangriffe richtig zu kanalisieren. Und dass die Antworten von verschiedenen Vorstandsmitgliedern wortwörtlich abgelesen werden mussten, überzeugte die fragenden Aktionäre gar nicht. Erst zum Schluss hatte Obermann seine Linie gefunden: Nun konnte er sich für Versäumnisse seines Unternehmens entschuldigen, auf einmal war auch das überzeugende Lächeln auf dem offenen und positiven Gesicht wieder da. Die Aggressionen im Saal nahmen zusehends ab.

Hier nun einige allgemeine Informationen:
Zum Frühstück gab es Brezeln und Berliner, zum Mittagessen Würstchen und Buletten mit Brötchen und am Nachmittag Streuselkuchen mit und ohne Apfelfüllung, dazu ein Eisstand.

Gut entworfen war, wie in den Jahren vorher, die Rückwand des Podiums: Drei Steelen, links und rechts mit Großfotos geschmückt, dazwischen zwei große Screens. Hoch unter dem Hallenhimmel dann noch einmal zwei Screens, um auch den Aktionären am oberen Rand der Arena ein unverzerrtes Bild des Geschehens präsentieren zu können.

Im Rund des Foyer war eine Reihe von Ständen aufgebaut, wo sich die Aktionäre zu Telefonanschlüssen, Flatrates usw. informieren konnten. Diese Beratung nutzten viele. Auch der Souvenir-Shop hatte großen Zulauf. An den Ausgabestellellen für Informationsmaterial gab es reichlich Prospektmaterial, auch in Englisch. Dass der Geschäftsbericht trotz des zweispaltigen Umbruchs nur erschwert gelesen werden kann, liegt an Schriftgröße und Durchschuss. Aber um wirklich zu verstehen, was das Unternehmen dem Leser sagen will, muss man die Texte immer komplett lesen. Der Zwischenbericht Q1/2008 ist schon etwas übersichtlicher entworfen, das lässt die Leser hoffen. Der ausgelegte Personal- und Nachhaltigkeitsbericht ist mit dem Jahrgang 2006 in die Jahre gekommen, aber immer noch lesenswert.

Verwunderlich war, dass zum späten Ende der Veranstaltung immer noch einige hundert Aktionäre ausgeharrt hatten, um die Abstimmungsergebnisse life mitzubekommen. Dem Vorschlag, eine Dividende von 0,78 € auszuschütten, stimmten 99,49 % zu, wenngleich dies von verschiedenen Rednern in der Generaldebatte gerügt worden war, da dieses Geld besser für andere, dringliche Aufgaben hätte verwendet werden müssen. Auch der Versammlungsleiter Prof. Dr. Lehner hielt durch und verabschiedete die letzten Anwesenden freundlich bis zum nächsten Jahr.