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Vollversorgung ohne neue Kraftwerke?

Strom und Gas. Eigentlich ganz einfach, könnte man denken, aber viele Interessenten ziehen von verschiedenen Seiten am gemeinsamen Energietuch.

E.ON will - so beginnt der Vorstandsvorsitzende Dr. Wulf Bernotat seine Rede - 63 Mrd. € investieren. Der Einstieg in den wachstumsstarken russischen Strommarkt sei geglückt. Die Position in Spanien und Italien soll weiter ausgebaut werden. In Nordeuropa ist mit dem Nordic-Geschäft ein großer Schritt gelungen. Beim Gasgeschäft geht es ebenfalls weiter durch den Erwerb an Gasfeldern in der norwegischen See. Und bei Erneuerbaren Energien ist E.ON unter die weltweit führenden Windkraftbetreiber aufgestiegen. Aber mit Wind, Sonne und Biomasse allein kommt Deutschland nicht aus. Auch noch in Jahrzehnten wird Kohle gebraucht. Also müssen neue Kraftwerke gebaut werden, um Strom und Gas immer zur Verfügung stellen zu können, wenn sie gebraucht werden.

Die Europäische Kommission, so fährt Bernotat fort, hat im vergangenen Jahr ein Richtlinienpaket vorgelegt, mit dem das Zusammenwachsen der europäischen Energiemärkte vorangebracht werden soll. Die noch bestehenden Marktgrenzen, die politischen Restriktionen und die Neigung zum nationalen Protektionismus müssen überwunden werden.

Die Spannungen zwischen Energiebranche und Politik und Gesellschaft müssen abgebaut werden. Gerade das Thema der Kernenergie greift immer weiter um sich, ein Ausstieg wird überall gefordert, gegen Kohlekraftwerke wird Stimmung gemacht wie in keinem anderen Land Europas, selbst die Stromleitungen, die den Strom aus den Windparks im Meer holen, stoßen bereits auf Widerstand.

Energiesparen ist das Gebot der Stunde, liest man immer öfter. E.ON leistet sich den Luxus, die Nachfrage zu drosseln durch Spar-Tipps in Anzeigen. Aber selbst wenn alle Bürger sich darum bemühen würden, klaffte im Jahr 2020 eine Stromlücke von 12.000 MW, das heißt, es fehlen 15 Großkraftwerke.

In der anschließenden Aktionärsaussprache kamen alle von Bernotat angerissenen Themen auf den Tisch. Die Angst vor der Kernenergie wurde dabei überdeutlich. Trotz großem Engagement des Unternehmens konnte es hier zu keiner Einigung kommen. Ein heikles Thema.

Die Veranstaltung selber verlief ruhig und diszipliniert. Abstimmungsergebnisse von überwiegend 99 % sind ein sicheres Symptom für die Zufriedenheit. Den niedrigste Wert mit 96,44 % erzielt die Wiederwahl des AR-Vorsitzenden Dr. Hartmann. Die Wahlen nahmen einen großen zeitlichen Rahmen ein.

Die Ausgestaltung der Veranstaltung ist unverändert. Das Bühnenbild entspricht dem des letzten Jahres: ein langer roter Balken mit zwei Leinwänden. Der mannshohe Aufbau, einer Barrikade nicht unähnlich, ist heute sicher nicht mehr zeitgemäß. Die Zeiten, als Demonstranten die Bühne stürmen wollten, scheinen vorbei - heute nutzt man für den Aufstand die Medien im Vorfeld als Plattform. Will man die Abschottung gegenüber den Besuchern trotzdem aufrechterhalten, könnte dies bühnenarchitektonisch geschickter gelöst werden.

Der Geschäftsbericht war mit 220 Seiten Inhalt und 6 Seiten Umschlag dank seine Bilder lebendig und informativen Texte lesenswert, das 4-seitige Glossar hilfsbereit.

Die Präsenz benannte der Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann um 11:30 Uhr mit 52,9 % des anwesenden Kapitals. Heute wohnten 4.100 Besucher der HV teil. Um 17:14 Uhr war die diesjährige Ordentliche Hauptversammlung der E.ON AG zu Ende. Aufsichtsratschef Hartmann bedankte sich bei allen Teilnehmern und wünschte eine gute Heimfahrt. Die nächste HV findet statt am 6. Mai 2009 in Essen.