Spitzenleistung über und unter Tage
Natürlich gibt es stichhaltige Gründe, warum es dem Unternehmen so blendend geht. Dass das erste Quartal 2008 (Q1) das beste in der Geschichte des Unternehmens ist, passt dazu. Die Hauptversammlung sollte zeigen, dass Kommunikation ein Teil des Erfolges ist.
Der Hauptversammlungstag war ein feierlicher Tag. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Versammlungsleiter Gerhard R. Wolf bedankte sich für das Vertrauen, das ihm in all den Jahren entgegengebracht worden ist, aber er möchte mit dem heutigen Tag aufhören und sein Amt an einen Nachfolger übergeben. Stille im Saal. Die Bewegung war buchstäblich zu spüren.
Etwa 800 Aktionäre waren zur heutigen Hauptversammlung angereist. Da Erfolg anzieht, ist im nächsten Jahr mit einer wachsenden Zahl zu rechnen, dann muss man wohl über die Saalkapazität nachdenken. Große Stellwänden im Entree und im Foyer waren ein Stopper und technisch wie optisch ein Hingucker. Newcomern mag dabei der Zusammenhang mit dem Unternehmen fehlen. Einige Mitarbeiter in original Bergwerkstracht wiesen die Besucher auf die Tatsache hin, dass ein großer Teil der Kali+Salz-Leistung unter Tage erbracht wird.
Die Veranstaltung begann pünktlich um 10 Uhr und dauerte nur knapp 5 Stunden (14:46 Uhr). Das Bühnenbild entsprach in seiner Ausrichtung in etwa dem des Vorjahres (siehe Foto). Der Veranstaltungsleiter machte seine Aufgabe gut. Dunkelgrauer Anzug, weißes Hemd, rosa Krawatte, ruhige, feste Stimme. Outfit und Auftritt strahlten Souveränität aus.
Um 10:17 Uhr tritt dann der Vorsitzende des Vorstands, Norbert Steiner, an das Rednerpult. Er beginnt langsam, vorsichtig und mit einer leicht melodiösen Stimme. Was er zu sagen hat, 27 Seiten lang, kann sich bei den Aktionären hören lassen. Interessant, dass er zuerst einen großen, bevölkerungspolitischen Bogen schlägt und erläutert, wie es zur Zeit auf dem Globus mit der Ernährung steht und was in den nächsten Dekaden auf die Menschheit zukommen wird:
- Wachstum der Weltbevölkerung pro Jahr um 80 Millionen Menschen. Diese Anzahl entspricht der Bevölkerung Deutschlands, und das pro Jahr.
- Steigende Ansprüche der Menschen an die Ernährung und durch den steigenden Wohlstand ein höherer Fleischkonsum in den Schwellenländern.
- Die Sorge, dass Lebensmittel unerschwinglich werden könnten, führte in einigen Ländern der Welt zu Unruhen, worauf die Preise für Agrarprodukte deutlich stiegen
- Eine intensivere Bewirtschaftung der Agrarflächen wird erforderlich.
- Die UNO-Welternährungsorganisation fordert dafür mehr Mineraldünger.
- Die stetig wachsende Nachfrage nach Agrarrohstoffen hat die weltweiten Lagervorräte weiter reduziert.
- Ohne einen höheren Einsatz an Düngemitteln kann man nicht ausreichend Nahrungsmittel für eine wachsende und zunehmend anspruchsvollere Weltbevölkerung produzieren.
Dann erst kommt Steiner auf das eigene Unternehmen zu sprechen
- Kali+Salz ist vielleicht der einzige Rohstoffproduzent von Weltrang: "Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, ohne unsere Kalidüngemittel käme es zu akuten Problemen bei der Produktion der Agrarrohstoffe und damit bei der Ernährung der Menschen weltweit".
- Der Umsatz ist 2007 deutlich um 13 % auf 3.344 Mio. € gestiegen
- An 60 Standorten weltweit arbeiten mehr als 12.000 Menschen für Kali+Salz.
- Da die Aktie so hoch steht, wird ein Aktiensplit 1:4 in Erwägung gezogen. Jeder Aktionär, der zur Zeit eine Aktie hält, bekommt dann 4 Aktien. Das Unternehmen verspricht sich davon, dass mehr Interessenten Aktien erwerben werden.
- Der Dividendenvorschlag beträgt 2,00 € je Aktie (Applaus der Aktionäre), damit werden 47 % des Gewinns ausgeschüttet.
Einen der Gründe, warum die Aktie von Kali+Salz so gut steht, kann jeder Interessent selbst herausfinden, der die Investor Relations-Aktivitäten verfolgt:
- Das Marktumfeld ist für Kali+Salz beneidenswert.
- Offenheit und Klarheit in der Öffentlichkeitsarbeit.
- Eigener IR-Stand mit auskunftswilligen Mitarbeitern auf der HV.
- Rede des Vorstandsvorsitzenden, die an Deutlichkeit und Klarheit nichts zu wünschen übrig lässt. Selbst die Schwachstellen des Jahres 2007 wurden angesprochen, es wurde nicht drumherum geredet, sondern die Hintergründe erläutert, die zu den Verlusten geführt haben.
- Der Geschäftsbericht, und hier speziell der Finanzbericht, ist nicht nur lesenswert, sondern auch lesbar. Allein das Thema "Aktie" liefert acht ausführliche Seiten. Wie bescheiden dagegen manche großen AGs auftreten! Wer allerdings mit der Farbenlehre vertraut ist, hat von der Hausfarbe "Schwarz" eine weniger positive Vorstellung.
- Ein besonderes Lob verdient "Investor's factbook", ein kleines Nachschlagewerk über das Unternehmen. Das top-aktuelle Heft hätte vielleicht ein größeres Format verdient, um die Lesbarkeit zu verbessern.
- Dass die Aktionäre am Ausgang auch in diesem Jahr ein kleines Give-away erhielten - dieses Jahr eine Flasche Blumendünger aus dem Hause Compo - ist ein verkaufsfördernder Brauch.
Die nächste Hauptversammlung findet am 13. Mai 2009 wieder in Kassel statt.