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KarstadtQuelle: Namensfragen im Vordergrund
Die Holding soll einen neuen Namen bekommen – mit dieser Ankündigung überraschte Vorstandschef Middelhoff die KarstadtQuelle Hauptversammlung. Wichtiges Zeichen für den Wandel oder nur ein Manöver, um von den Problemen abzulenken? Die Aktionäre und die Presse hatten auf jeden Fall ihr Thema. Thomas Middelhoff steckt mitten im Sanierungsprozess. Der Konzern wurde umgekrempelt, die Warenhaus-Immobilien verkauft; nun muss das operative Geschäft anziehen. Wie wichtig kann da die Namensfrage sein? Middelhoff will den Konzern von den Markennamen Karstadt und Quelle abkoppeln – durch die Beteiligung am Reiseveranstalter Thomas Cook ist das Portfolio des Konzerns größer geworden, der neue Name soll dem Rechnung tragen und auch internationalen Klang haben. Ein Zeichen für den Neuanfang, keine Abkehr von den Marken, versicherte Middelhoff seinen Aktionären. Die Rede selbst war, wie immer bei Thomas Middelhoff, mitreißend und inhaltsreich. Die Aktionäre spüren, dass der Vorstandsvorsitzende sie von seinem Kurs überzeugen möchte, und da er selbst so zuversichtlich wirkt, kommen auch seine Versprechungen gut an. Das Podium mit Vorstand und Aufsichtsrat war gut lesbar beschildert – eine Kleinigkeit, die aber sehr hilfreich ist. Da die Kameras die Schilder mit erfassten, war jedem Aktionär immer klar, wer gerade spricht. Die Generaldebatte relativierte die von Middelhoff verbreitete gute Stimmung dann ein wenig. Dass es keine Dividende gab, war zwar für fast alle Redner einsichtig. Die Aktionäre diskutierten aber die Maßnahmen zur Entwicklung des Unternehmens. Hätte nicht eine Entscheidung der Hauptversammlung einberufen werden müssen, bevor die Immobilien – „das Tafelsilber“, wie eine Aktionärssprecherin sagte – verkauft wurden? Das Unternehmen hatte dies (juristisch abgesichert) für unnötig gehalten, als Geste wäre es aber bei den Aktionären gut angekommen. Die wichtigen Karstadt-Themen wurden nicht nur in der Vorstandsrede angesprochen, das Unternehmen hatte sie für die Aktionäre auch visuell aufbereitet. Vor dem Versammlungssaal gab es große Displays mit Darstellungen zu den Themen Versandhandel, E-Commerce und Premium Group (die neue hochwertige Kaufhaus-Gruppe von Karstadt). Der langen Karstadt-Tradition wurde mit Bildern von 1881 bis heute Tribut gezollt, das aktuelle Thema Fußballweltmeisterschaft war mit Sportprodukten vertreten, und die Touristiksparte präsentierte sich mit Katalogen von Thomas Cook, Neckermann und den Karstadt-Reisebüros. Die Veranstalter wollten den HV-Besuchern offensichtlich etwas „zum Gucken“ bieten. Inhaltlich relevante Informationen oder neue Einsichten in Zusammenhänge der Unternehmenspolitik, für die sich die Reise zur HV lohnt, bringen solche Darstellungen natürlich nicht. Eine Anlaufstelle für Fragen gab es immerhin, Geschäftsberichte und Redemanuskripte wurden ausgegeben, und auf einem Monitor lief eine Serie von Kennzahlen und Tabellen aus dem Geschäftsbericht. Die Absicht, den Aktionären Informationen zu bieten, ist erkennbar; an der durchdachten Umsetzung kann noch gearbeitet werden. |
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