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Hauptversammlungen - Rückblick auf die Saison 2007 Die Hauptversammlungssaison 2007 ist nun, zumindest bei den DAX-Unternehmen, abgeschlossen. Viele Unternehmen konnten im vergangenen Jahr Rekordgewinne oder -umsätze einfahren oder zumindest ein erfolgreiches Geschäftsjahr vorweisen. Nur wenige Firmen konnten auf dieser Erfolgswelle nicht mitschwimmen. Die Erfolge der Unternehmen zeigten, dass es der deutschen Wirtschaft gut ging. Und auch in diesem Jahr hat sich diese Entwicklung fortgesetzt, wie die Ergebnisse der ersten Quartalsberichte zeigen. Somit strebt der DAX an der Börse derzeit in ungeahnte Höhen. Dieser Aufschwung wird vor allem durch die Industriekonzerne getragen, während die "New economy" nicht vom derzeitigen Hoch profitieren kann. Werfen wir einen Blick zurück zu den Hauptversammlungen in diesem Jahr. Die Analysten haben es nicht für möglich gehalten, aber die Kapitalpräsenz auf den HVs ist erstmals seit vier Jahren wieder gestiegen. Die Aktionäre strömten in die Versammlungssäle, um einen Überblick über ihr Unternehmen zu erhalten. Die Investor Relations Arbeit hat bei den Aktienunternehmen stark zugenommen, man engagiert sich mit verschiedenen Aktionen wie Internet-Voting und Live-Übertragungen der Reden im Internet um die Privatanleger. Bei den DAX30-Unternehmen gehören solche Maßnahmen zum Standard. Der Investor Relations Stand erlebte auf den HVs eine kleine Renaissance, wenn er derzeit auch immer noch bei wenigen Aktienunternehmen zu finden ist. In den Medien wurde als Auslöser für die Kapitalpräsenzerhöhung die Einführung des "Record Date" genannt. Aktionäre gelten nun als stimmberechtigt, wenn ihre Bank 21 Tage vor der HV den Aktienbesitz bestätigt. Eine Hinterlegung der Aktien, wie sie früher üblich war, entfällt. Aktienunternehmen versuchen seit längerem, bei ausländischen Investoren Interesse für die Teilnahme an Hauptversammlungen zu wecken. Diese Reform soll nun dazu beitragen. Viele Analysten sahen in der Steigerung der Präsenz die hohen Dividenden, die die Unternehmen dieses Jahr an ihre Aktionäre ausschütteten. Und auch die Medien spielten eine wichtige Rolle, berichteten sie doch schon im Vorfeld über einige AGs sehr intensiv. Das schürte Neugier und Interesse bei den Kleinanlegern. Bei manchen Aktionären findet man zudem im Falle von Konflikten oder Rechtstreitigkeiten immer wieder ein Interesse an Auseinandersetzungen bei Wortbeiträgen. Es gab nach wie vor Redner, die in der Aussprache die Redezeitempfehlungen der Versammlungsleiter nicht beachteten. So dauerten einige Hauptversammlungen bis weit in die Abendstunden, da sich viele Aktionäre zu Wort meldeten. In einigen Fällen wurden Aufsichtsratsvorsitzender oder Vorstandsvorsitzender verbal angegriffen. Nicht alle Versammlungsleiter konnten diese Situation entschärfen. Manchem entglitt trotz äußerlicher Ruhe das Ruder und er konnte das Problem nur mit dem Abschalten des Mikrofons oder einer Pultverweisung lösen. Bei einigen Unternehmen ließen sich die Aussprachen live über das Internet verfolgen. Hier wird sich für die kommenden Jahre ein Trend entwickeln. Das Internet nimmt eine immer bedeutendere Stellung bei Aktienunternehmen und ihren Aktionären ein: und was noch immer viel zu wenig beachtet wird, wenige Vorstandsvorsitzende begrüßten explizit ihre Internet-Gäste. Bei den gesetzlichen Vorschriften gab es einige Änderungen. So trat am 01.01. das TUG-Gesetz in Kraft, das für eine zusätzliche Transparenz auf dem deutschen Kapitalmarkt sorgen soll. IR-Fachleute befürchten aber, dass dadurch steigende Kosten auf sie zukommen könnten, da die Unternehmen nun verpflichtet sind, ihre Meldungen europaweit zu veröffentlichen. Ein weiteres neues Gesetz ist das EHUG (Elektronisches Handels- und Unternehmensregister), hier werden Unternehmensdaten seit dem 1.1.2007 nur noch elektronisch eingereicht, gespeichert und veröffentlicht. Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss beim Betreiber des elektronischen Bundesanzeigers einreichen und bekannt machen. Dasselbe gilt auch für den Konzernabschluss. Die Aktionäre waren sehr damit zufrieden, dass dieses Jahr alle DAX30-Vorstände ihre Bezüge offen gelegt haben. Viele Aufsichtsräte erläuterten bereits zu Anfang der Veranstaltung den Vergütungsbericht, in einigen Fällen geschah dies sogar in ganz detaillierter Ausführung. Die Reden der Vorstandsvorsitzenden waren 2007 durchweg eher unspektakulärer Natur. Für die Zuhörer immer wichtiger wird der Einstieg der Reden, der zu einer länger dauernden Aufmerksamkeit führen soll. Einige AGs schafften es in diesem Jahr, mit dem passenden Einstieg ein erhöhtes Interesse bei den Aktionären hervorzurufen. Viele Aktienunternehmen äußerten sich zum Klimaschutz, ein durch die Politik zurzeit prominent besetztes Thema. Die Reden selber zeichneten sich vor allem durch Länge aus. Auch in diesem Jahr hat es an hochqualifizierten Charts gefehlt. Wie üblich wurden die Fakten präsentiert, auf die Aktionäre übten sie aber wenig Faszination aus. Viele Vorstandsvorsitzende benutzten Fachwörter, Zahlen und Anglizismen in inflationärer Art und Weise, da blieb häufig das Verständnis des Zuhörers auf der Strecke. Wichtige Inhalte gingen so manchmal unter. So gibt es aber auch gute Beispiele, bei denen Reden aktionärsgerecht mit kurzen, gut strukturierten Sätzen aufgebaut sind. Es gab einige Gesellschaften, die in die Reden des Vorstandsvorsitzenden professionelle Kurzfilme von ein paar Minuten eingebunden haben. Eine Hauptversammlung zeichnet sich ja nicht nur durch Reden, Wortbeiträge und Dividenden aus, sondern auch das Rahmenprogramm spielt eine Rolle. Hier ließ sich in der Saison 2007 ein breites Gefälle beobachten. Manche Unternehmen präsentierten eigene Produkte, andere hatten informative Ausstellungsstände und legten Präsentationsmaterial in Fülle aus. In einigen Fällen fehlten allerdings Stände und Material, so dass sich das Interesse der Aktionäre entweder auf den Saal oder das Catering beschränkte. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die spektakulären Hauptversammlungen (von denen es in diesem Jahr einige gab) auch das größte Medienecho fanden, während der überwiegende Teil der HVs eine geringere Beachtung in der Öffentlichkeit erfuhr. Die Aktionäre brauchen nicht immer eine aufsehenerregende HV, die meisten sind zufrieden, wenn eine Hauptversammlung professionell geleitet und abgewickelt wird und die Veranstalter ausreichend für das leibliche Wohl ihrer Gäste sorgen. |
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