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Mit Großmann VoRWEg gehen

 Daten zur HV
 RWE AG
 Hauptversammlung: Grugahalle, Essen am 17.04.08
 Teilnehmer: ca. 4.700
 Kapitalpräsenz: 66,27 % des stimmberechtigten Kapitels
 Mitarbeiter 2007: 63.400
 Dividende: 3,15 €


Die ca. 4.700 Aktionäre, die am 17.04.2008 in die Grugahalle in Essen gekommen sind, werden an Info-Countern von Auszubildenden des Konzerns empfangen. Der Nachwuchs verteilt die Tagesordnung, Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte. Das spart Kosten und ist eine nette Geste! Wer früher die Annehmlichkeiten der VIP-Lounge genutzt hat, muss sich heute allerdings unters "Volk" mischen! Hier setzt Grossmann erste Akzente - die Reduzierung der HV-Kosten.

Im Veranstaltungssaal wird nicht "geknausert": Die gebogene Leinwand mit drei Projektionsflächen bietet optimale Sichtverhältnisse von allen Plätzen. Das ist eine Benchmark für die HV-Saison 2008!



Mit Spannung erwarten die Aktionäre die Antrittsrede von Herrn Großmann. Die Messlatte für den neuen RWE Vorstandsvorsitzenden liegt hoch: Sein Vorgänger Harry Roels - der heute als Ehrengast teilnimmt - hat in seiner Amtszeit den Aktienkurs vervierfacht, die Dividende verdreifacht. Entsprechend beliebt ist er bei den Aktionären.

Dennoch schafft es Grossmann in seiner Rede schnell, die Sympathien der Aktionäre zu gewinnen. Er deklariert sich in der Verantwortung für die Aktionäre: "Seit ich im Oktober 2007 zu RWE gekommen bin, habe ich mir ein recht umfassendes Bild von Ihrem Unternehmen gemacht....".

Nach einem Rückblick auf das Geschäftsjahr 2007 kündigt Grossmann bis zum Jahr 2012 ein durchschnittliches Wachstum beim betrieblichen Ergebnis von 5 % pro Jahr an. Das nachhaltige Nettoergebnis soll pro Jahr um 5 - 10 % verbessert werden. Auf dieser Basis plant das Unternehmen weiterhin eine reguläre Ausschüttungsquote von 50 - 60 %, beim erfolgreichen Verkauf von American Water stellt Großmann - wie sein Vorgänger - eine Sonderdividende in Aussicht.

Im Anschluss wirbt Grossmann sehr engagiert für seine Neuausrichtung des Unternehmens: Mit dem neuen Logo "VoRWEg gehen" setzt er ein Signal für den Führungsanspruch von RWE.

Die Strategie-Agenda 2012 steht unter dem Leitgedanken "Mehr Wachstum - weniger CO2". Im Mittelpunkt dieses größten Investitionsprogramms der Unternehmensgeschichte mit einem Volumen von 30 Milliarden € bis zum Jahr 2012 stehen folgende Aufgaben:

  • Investitionen in effiziente Kohle- und Gaskraftwerke
  • Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
  • Ausbau der RWE Position in der Kernenergie
  • Investitionen in Stromnetze und
  • Ausbau des Gasgeschäfts
Die größten Wachstumschancen für das RWE sieht Grossmann im Ausland. So wird jeder zweite Euro des Investitionsprogramms für Projekte im Ausland eingesetzt. Bis 2012 sollen 40 - 50 % des betrieblichen Ergebnisses außerhalb von Deutschland verdient werden. Dabei fokussiert sich RWE auf die Wachstumsmärkte und plant Übernahmen "in unseren bisherigen Kernregionen sowie in Ost- und Südosteuropa", z.B. in Russland und der Türkei. Wer heute auf eindeutige Aussagen zu "British Energy" gewartet hat, wird enttäuscht. Dazu äußert sich Großmann - trotz Drängen der Aktionäre - nicht.

Ein weiterer Schwerpunkt des ehrgeizigen Programms ist die Reduzierung des CO2 Ausstoßes. Mit 140 Mio. Tonnen ist RWE der größte CO2 Emittent in Deutschland. Durch verschärfte Klimaschutzauflagen drohen dem Konzern milliardenschwere Belastungen - allein für 2012 zwischen einer und 1,5 Mrd. € pro Jahr. Auch darauf hat Großmann eine Antwort: Sein Ziel ist die Reduzierung der CO2 Emissionen um 60 Mio. Tonnen bis zum Jahr 2015.

In der Aussprache muss sich Großmann dann noch einer sehr persönliche Frage stellen: "Warum tun Sie sich das eigentlich an?" Mit solchen Fragen lässt sich der Freizeitsegler Grossmann nicht vom Kurs abbringen. "Ich empfinde die Energiepolitik als den spannendsten Acker, den es gegenwärtig zu bearbeiten gibt, und sehe in meiner Aufgabe eine für mich reizvolle Herausforderung". Dann schließen wir uns einem der Aktionärsvertreter an und wünschen wir Herrn Grossmann "Mast und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel".

Noch ein Wort zu den Abstimmungsergebnissen:
Die Verwendung des Bilanzgewinns und die Entlastung des Vorstands wurden mit knapp 100 % verabschiedet. Die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien - auch über Derivategeschäfte - unter Tagesordnungspunkt 6a und 6b fand bei nur ca. 96 % der Teilnehmer Zustimmung.

Die nächste Hauptversammlung findet am 22. April 2009 in Essen statt.