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Hauptversammlung der SAP AG am 3. Juni 2008 in der SAP-Arena, Mannheim

Was kommt nach dem Zenith?

Bei dieser Branche, die SAP vertritt, irritiert der nach wie vor bescheidene Anteil junger Menschen. Noch steht die erste und zweite Gründergeneration am Mikrofon, der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Hasso Plattner und der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Henning Kagermann.

SAP, diese drei Buchstaben zergehen der gesamten IT-Branche auf der Zunge. Hier wird die "Neue Firmen-Welt" entwickelt und "Zukunft neu" geschrieben. Großunternehmen beziehen hier ihre Chancen, global, schneller und breiter zu wachsen. Tausende von Mittelständlern sehen mehr Möglichkeiten für ein Wachstum, das sie ohne SAP nie gehabt hätten. Und für Millionen Menschen in den Unternehmen ist die Arbeit dadurch leichter, schneller, sicherer geworden.

Auch die Rede Kagermanns an die 4.800 Aktionäre im Saal war Spitzenniveau der HV-Szene: Klare, einfache und daher gut verständliche Worte, angereichert mit Beispielen aus der Praxis. Aber das Faszinosum dieses großen Softwareentwicklers fehlte der Rede. Alle anwesenden Eltern und Großeltern müssten ihren Söhnen, Töchtern und Enkelkindern zu Hause berichten, dass sie in dieser Weltbranche mitmischen müssen, und dass es Zeit wird, wenn man unter den besten 100.000 dieser Welt sein will. Von Walldorf aus in die Welt!

Aber nach wie vor sind zum Beispiel viel zu wenig Mädchen in Deutschland interessiert an der IT-Branche. Weniger als 5 % des weiblichen Nachwuchses wolle Informatik studieren. Wieso erreicht die Rate in USA und Kanada fast 50 %, wie Kagermann berichtete? Fehlt dieser Branche etwas, oder stört die Monostruktur intelligente junge Frauen? Dass die Branche bei uns historisch aus der Technik kommt, ist nach wie vor an ihrer Introvertiertheit abzulesen. Plattner und Kagermann sind dabei eine blendende Ausnahme.

Kagermann hätte man noch länger zuhören können, mehr erfahren wollen, nicht nur von den Eliten in Indien und China, sondern auch von Ländern, die ihre ersten Gehversuche mit SAP machen. Aber nach 16 Seiten und 39 Minuten war Ende. Später, in der Generaldebatte, bringt Jella Benner-Heinacher von der DSW einen Punkt zur Sprache, der die Finanzcommunity umtreibt: Wie wird es weitergehen mit der SAP? Wird das "Tempo des Flügelschlages" langsamer, ist SAP im Zenith, ein reifes Unternehmen, das kein Potenzial mehr hat? Die Antwort hatte Kagermann eigentlich schon in seiner Rede vorweggenommen: Wenn man bereits sehr weit oben steht, sind Zukäufe eine Chance, um Umsatz und Gewinn namhaft zu erhöhen. Dies habe man Anfang dieses Jahres mit dem Erwerb der französischen Softwarefirma "Business Objects" getan. SAP habe sich den Marktführer gesichert und konnte sich damit sofort, d.h. mit zusätzlichen 1,5 Mrd. US-Dollar, an die Spitze setzen. Wie jeder weiß, sei man im Großkundengeschäft sehr breit aufgestellt, was aber nicht alle wissen, die SAP sei auch im Mittelstand bereits Weltmarktführer. Zur Erläuterung stellte Kagermann das Leistungsspektrum seines Hauses noch einmal vor. Für die verschiedenen Unternehmensgrößen bietet SAP:
  • SAP Business Suite für große Unternehmen
  • SAP Business All-in-One und SAP Business One für große und kleine Mittelständler
  • SAP Business ByDesign für Firmen mit ca. 100 bis 500 Mitarbeitern
Ein umfassendes Produkt-Portfolio reicht aber noch nicht aus, so Kagermann, man muss mit Innovationen überzeugen. Er stellte davon einige vor. Er tat dies feinfühlig, um die technischen Laien im Publikum nicht zu überfordern.

Auf die Frage von Aktionären, warum sich die Aktie nicht Richtung Norden bewegt, konnte der Sprecher des Vorstands auch nur Vermutungen äußern. Dabei machte er sich seine Überlegungen nicht leicht, gerade bei den blendenden Ergebnissen seiner Firma hätte man einen Anstieg der Aktie erwarten können. Möglicherweise aber habe man SAP eine Zukunft mit solcher Strahlkraft, wie Kagermann sie den Aktionären schildert, nicht mehr recht zugetraut, vermutet man im Saal. Und jetzt ist das Unternehmen bereits weiter auf dem Weg nach oben, statt im Sinkflug, wie der eine oder andere Analyst wohl spekuliert haben mag.

Mit der Veranstaltung und der Halle, hörte man aus Aktionärskreisen, waren diese sehr zufrieden. Da punktete sicherlich auch das Mittagessen mit drei verschiedenen Menüs, reichhaltiger als bei den meisten Hauptversammlungen. Zum Bühnenbild gab es kaum Resonanz. Die Aktionäre blätterten in der Wartezeit recht intensiv im 208 Seiten starken Geschäftsbericht auf der Suche nach Entscheidungshilfen zum Kaufen, Halten oder Verkaufen. Ein Redner riet seinen Mitaktionären die SAP-Aktie zum Kauf, da diese zur Zeit doch sehr günstig zu haben sei.

Dass die HV nicht nur ein Schaulaufen ist, wie manche Veranstalter gerne behaupten, sondern Informationsleistung bringen kann, zeigte sich u.a. daran, dass das Zwei-Monatsmagazin "SAP INFO" schnell vergriffen war. Auch der Zeitungsstand am Halleneingang war sichtlich busy. Was die Produktpräsentation angeht, blieb alles im Theoretischen, von den 4.800 Menschen im Saal werden nur wenige diese Produkte selbst erwerben oder mit ihnen zu tun bekommen. Sie wären aber exzellente Botschafter, würde man sie begeistern. Dafür war die 8-seitige Sonderausgabe "SAP INVESTOR" umso einfallsreicher zur Thematik der Hauptversammlung. Hier wurde auf eine ganz lockere, sehr lesenswerte Art Neugeschäft mit Informationen zu Anreise, Hallenplan, Stimmabgabe und Aktie verknüpft.

Die anschließenden Wahlen liefen schnell und zügig ab. Mit Ausnahme des Top 8 lagen alle Werte über 99 %, ein komfortables Ergebnis. Bei Top 8 mit knapp 89 % ging es um Eigenkapitalderivate in Form von Put- und Call-Optionen usw. Dieser Punkt war den Privataktionären vermutlich nicht so recht klar.

Um 15:35 Uhr schließt der Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Hasso Plattner die 21.Ordentliche Hauptversammlung und lädt zur nächsten HV am 20. Mai in die SAP Arena nach Mannheim ein.

Oben: Die erste SAP Hauptversammlung in der neuen SAP Arena in Mannheim

Mitte links: Das Bühnenbild mit Vorstand und Aufsichtsrat
Mitte rechts: Der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Kagermann

Unten links: Fotografen "schießen" sich auf die Vorstandsriege ein