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Presseheadlines | |||
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42. Siemens Hauptversammlung
![]() Es war die erste große Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle in diesem Jahr. Die Siemens AG hatte zur 42. HV eingeladen, wobei Mitarbeiter zu berichten wussten, dass wohl insgesamt 107 HVs in der Lebensgeschichte des Unternehmens durchgeführt wurden. Waren diese vor den Kriegen Treffen in kleinstem Kreis, waren heute über 10.000 Aktionäre angereist, um zu hören, wie es dem Konzern wirtschaftlich geht und wie Vorstand und Aufsichtsrat auf die Korruptionskrise reagieren. Die nationale und internationale Presse war mit unterschiedlichen Erwartungen präsent.
Spannung lag in der Luft. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Dr. Gerhard Cromme, der vor 5 Tagen die ThyssenKrupp HV in Bochum geleitet hatte, war in der Lage, die neugierigen und nervösen Anleger umfassend zu informieren. Wie vorsichtig, um nicht zu sagen ängstlich war Siemens in diese schwierigsten HV-Stunden der letzten 40 Jahre gegangen und wie vorteilhaft kam sie letztendlich trotz aller Probleme daraus hervor. Dass bei den meisten Rednern in der Aussprache eine ausgewogene Meinungsbildung zum Verhältnis "Sehr gesundes Unternehmen zu Schmiergeld" formuliert wurde, ist sicher auch dem neuen Vorstandvorsitzenden Peter Löscher zuzurechnen, der es verstand, ohne Aggressivität den Ernst der Lage zu schildern und anzuzeigen, wie man aus den Problemkreisen herauskommen will. Als stiller Zuhörer konnte man bei den Aktionären die unumstößliche Überzeugung heraushören, dass die Führungselite über die Praxis, wie Großgeschäfte akquiriert wurden, im Großen und Ganzen Bescheid gewusst haben muss. Die Erarbeitung dieser Situation wird zusätzlich eine Menge Geld kosten.
"Schadensbegrenzung" war TOP 1. Das Thema überlagerte den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens, der es verdient hätte, qualifizierter präsentiert zu werden. Ein einziger Screen, den sich Vortragender und Charts abwechselnd teilen, ist einfach zu wenig. Dass die Aktionäre in den hinteren Reihen die Texte nicht mitlesen konnten, dürfte die Veranstalter nicht überraschen; dafür sollte es beim Einsatz moderner Technik heute keine Entschuldigung mehr geben.
Das Event HV war der Größe des Publíkums und dem hohen Aufmerksamkeitswert nicht angemessen ausgestaltet. Die drei neuen Sectors "Industry, Energy und Healtcare" blieben dezent: Einige Displays und Texttafeln, dazu Anschauungsmuster, mehr nicht. Bezweckte diese kleine Ausstellung einen Imagezugewinn? Oder sollten nur Detailinformationen vermittelt werden? Ob die Standgestalter die Vorstellungen der anwesenden Aktionäre richtig eingeschätzt haben, kann bezweifelt werden. Hier und heute hätte man einen IR-Informationsstand erwartet. Ein großer Monitor mit dem aktuellen, positiven Aktienkurs hätte die Stimmung der Aktionäre leicht stabilisieren können. Doch die Grundversorgung der Aktionäre war gut organisiert. Behinderte im Rollstuhl, Hörgeschädigte, aber auch Ausländer, die auf die englische Übersetzung angewiesen sind - an alle war gedacht. 90 junge Damen in roten Kostümen waren gut sichtbar und hilfsbereit, die Aktionäre zu informieren und auf Wunsch auch zu begleiten.
Die Presse am Folgetag zeigte ein auffallend einheitliches Bild. Bei Siemens waren Fotografen nicht, wie auf anderen Hauptversammlungen üblich, zugelassen. Ob die Wirtschaftsverlage diese Einschränkung auf Dauer hinnehmen werden, ist fraglich.
An Lektüre gab es schwere Kost für Aktionäre, denn der Geschäftsbericht hat 360 Seiten und wiegt rd. 1,4kg, selbst in der DAX-Liga ein Schwergewicht. Das Register ist nur eingedruckt und hilft wenig. Im Inhalt ist auf grafische und textliche Spielereien oder Veredelungen wie Lackierungen, Prägungen oder Silberdruck verzichtet. Nicht alle Fotos haben einen Bildtext und erschließen sich dem Leser erst durch den Fließtext. Lesen ist Schwerstarbeit: Der 1-spaltige Text zwingt zu hoher Konzentration, Seite um Seite Text, ohne Absätze. Hilfreich sind die Vorspanntexte am Kapitelanfang. Auch wenn nicht jeder Aktionär wissen wird, wie er diesen GB für seine Anlageentscheidungen nutzen kann, als Nachschlagewerk ist er unschlagbar. Die Aussprache war, wie erwartet, lang. Aber in den elf Stunden wich die Spannung, die morgens bei Presse und Aktionären hörbar war. Umso mehr überraschte das Abstimmungsergebnis für den Aufsichtsratsvorsitzenden Cromme, der nur mit rd. 87,2% entlastet wurde. Dass die Siemensaktie trotzdem ein gutes Investment ist, kam in diesem klimatischen Umfeld entschieden zu kurz. Vielleicht lassen sich die Siemens Presse- und IR-Fachleute für das nächste Jahr etwas Überzeugendes einfallen? |
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