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9. ordentliche Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG
![]() Die Veranstaltung ist gut besucht. Rund 3.300 Aktionäre sind gekommen. um zu hören, was das Unternehmen in der unruhigen Börsenlandschaft und zur Weltwirtschaftslage, aber insbesondere zum Konzern, zu berichten hat. Die Besucher sind überwiegend Männer, es ist wohl auch ein Heimspiel für die ehemaligen Mitarbeiter aus dem Ruhrgebiet. Dieses Jahr sieht man mehr junge Menschen als in den Vorjahren, ein Zeichen für die Zukunft?
Taktgenau auf die Minute eröffnet der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Gerhard Cromme die 9. HV. Er trifft den richtigen Ton bei seinen Zuhörern, 21 Minuten lang. Notwendiges und Wichtiges, man ist vertraut mit dieser Person und vertraut ihr. Später, in der Aussprache, kommt so gut wie keine Kritik auf.
Die anschließende Rede des Vorstandsvorsitzenden Dr. Ekkehard Schulz ist mit 42 Minuten genau doppelt so lang und würde damit schon die Aufnahmebereitschaft seiner Zuhörer belasten, aber die Rede ist interessant und er geht im zweiten Teil auf die großen Probleme dieser Welt ein und was ThyssenKrupp dazu beitragen kann. Die Fülle an Zahlen zu Beginn ermüdet, aber sie sind ein Muss jeder HV und jeder weiß dies. Die Tabellen und Grafiken der Charts sind ab der Hälfte des Hauptsaales leider nicht mehr gut lesbar. Erfahrene Zuhörer nutzen daher lieber die Nebensäle, hier sitzen sie näher an der Leinwand und können Gehörtes und Gelesenes parallel erfassen. Warum wird die riesige Front hinter der Tribüne nicht besser für eine größere Präsentation genutzt? Das Problem der Lesbarkeit für das seniore Publikum haben andere HVs wesentlich besser gelöst. Ein Highlight ist der Vorschlag der Verwaltung, die Dividende um 30 % auf 1,30 € zu erhöhen. In der anschließenden Aussprache wird man jedoch hören, dass sich viele bei einem Umsatz von 51,7 Mrd. € und einem Gewinn vor Steuern von 3,3 Mrd. € mehr erhofft haben. Im zweiten Teil seiner Rede wurde es für viele Zuhörer plakativer. Die neuen Produktions standorte in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama nehmen langsam Gestalt an. Beim Sektor "Elevator" überschattete das von der EU-Kommission verhängte Bußgeld die guten Leistungen. Durch die Übernahme aller Anteile an der britischen Apollo Metals Group ist ThyssenKrupp im Segment Services zu einem globalen Dienstleister für die Luft- und Raumfahrtindustrie geworden. Aufschlussreich war für die Zuhörer, dass zur Zeit 3.300 Mitarbeiter in 85 Entwicklungszentren und -abteilungen an neuen Produkten bzw. an der Verbesserung von Verfahren arbeiten.
Sobald Schulz die Herausforderungen der kommenden "Megatrends" thematisiert, wird es in den Sälen ganz still. Keiner liest mehr Zeitung vor Langeweile. Es wäre gut, wenn sich HV-Redner anderer Unternehmen ein Beispiel an dieser Rede nähmen und griffige Beispiele in die so trockene Darstellung ihrer Jahresübersicht brächten:
Für ThyssenKrupp liegen hier große Chancen:
Die anschließende Aussprache über die sieben Tagesordnungspunkte dauert länger als gedacht. Die Redebeiträge sind bis auf ein paar Ausnahmen hoch professionell, verzetteln sich nie in kleinste Details, sondern sind für alle Anwesenden im Saal verständlich und gut nachvollziehbar. Dass die Antworten vom Vorstand nicht immer so exakt und deutlich formuliert werden, wie sich die Frager dies gewünscht haben mögen, gehört zur geschickten Übung von "Frage und Antwort". Ein wenig "Katz- und Mausspiel" ist immer dabei und bringt manchen Aktionär zum Schmunzeln. Gegen 16:30 Uhr ist mit der Verlesung der Abstimmungsergebnisse die 9. HV von ThyssenKrupp beendet:
Recht großes Interesse fanden die ausgelegten Geschäftsberichte, die von einigen Rednern positiv kritisiert wurden. Ein Aktionär wollte wissen, warum der Konzerngeschäftsbericht in so dunklen Farben gehalten sei? Antwort vom VV: Die Farbe symbolisiert den Ton einer "Werkstoffoberfläche".
Der Konzerngeschäftsbericht besteht aus drei Teilen:
Der 1-spaltige Umbruch mit einer relativ kleinen Schrift erfordert das Lesen mit dem Finger, was man auf der HV dieses Jahr beim Zuschauen der Aktionäre gut beobachten konnte. Da stellt sich die Frage, wann und wie lange ein GB gelesen wird, wozu und welche Konsequenzen ein Aktionär aus dieser Lektüre bereit ist zu ziehen. Die immer wiederkehrende Frage nach "Kaufen, Halten, Verkaufen" stellt sich für die anwesenden Aktionäre weniger, und bei den Institutionellen Investoren greifen ohnehin andere Informationsmittel. Als Kern bleibt der Image-Faktor des Geschäftsberichtes. Dieses Ziel scheint, befragt man die Anleger auf der HV, erreicht zu sein. Umso bedauerlicher, dass das Aufschlagverhalten des voluminösen Geschäftsberichtes so störrisch ist. Nach Auskunft von namhaften Buchbindern hat die Industrie aber immer noch keine Verbesserung hierfür entwickeln können. Also braucht der Leser zwei Hände für seine Lektüre.
Stellwände gaben Texte und Bilder aus den Geschäftsberichten wieder. Achtlos liefen die Besucher daran vorbei. Belagert hingegen waren die vier Steelen mit den Internet-Screens und die zwei Ständer mit dem Teilnehmerverzeichnis, deren Anzahl könnte durchaus größer sein.
Wer vom großzügigen Frühstücksangebot auf das Mittagessen geschlossen hatte, wurde von der Schlichtheit enttäuscht: Bockwürstchen und Currywurst, dazu eine Laugenstange. Doch erfahrene Aktionäre kennen diese Grundnahrungsmittel und sind damit durchaus zufrieden. Würde man die Aktionäre zu Hause, also in ihrem persönlichen Umfeld, zur Hauptversammlung befragen, kämen vermutlich noch ein paar andere Punkte zur Sprache: Berthold Beitz war wieder da und mit seinen 94 Jahren gut drauf. Der "Eiserne Ekkehard", gemeint ist der Vorstandsvorsitzende Dr. Schulz, bleibt weitere 2 Jahre im Amt, was starken Beifall bei der Ankündigung durch den ARV auslöste. Die Aktie ist zwar in den letzten Tagen gefallen, denn das letzte Quartal schloss nicht so positiv ab wie die anderen Quartale, dafür aber ist die Dividende um 30 % erhöht worden. Gewünscht hätten sich die Aktionäre wohl auch etwas zum Thema "Aktie und Abgeltungs-steuer", sind doch alle davon ab 2009 betroffen. Die klassische Floskel am Ende seiner Rede "Bleiben Sie uns gewogen" sollte im nächsten Jahr durch eine originelleren, einprägsameren Spruch ersetzt werden können. |
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