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Der Showdown blieb aus

Hauptversammlung der Volkswagen AG am 24.April 2008 in Hamburg

Die konträren Vorstellungen von Konzernbetriebsrat von Volkswagen und Porsches Vorstandsvorsitzendem Wiedeking wurden nicht in der Öffentlichkeit ausgehandelt. Schwach war der Beitrag der Landesregierung Niedersachsen in der anschließenden Aussprache. Hier konnte die knochentrockene Darstellung von Minister Möllering noch nicht einmal die Aufmerksamkeit der anwesenden Aktionäre erringen, geschweige ihr Wohlwollen. Die Resonanz im Publikum war spürbar zurückhaltend.

Die Aktionäre waren mit der gut durchgestylten Hauptversammlung sehr zufrieden. Der Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Ferdinand K. Piech hatte die Anwesenden gut im Griff. Die Regularien wurden von ihm schnell abgearbeitet, bevor es zum wichtigen Teil einer HV kommt: der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Martin Winterkorn referiert zum Geschäftsjahr 2007, ergänzt durch einen Beitrag von Hans Dieter Pötsch, Finanzvorstand. Anschließend erläutert Winterkorn die Position von Volkswagen als Sponsor der Olympischen Spiele in China. Da wird es ganz still im Saal:
"Wir haben uns 2004 für ein Engagement als nationaler Sponsor der Olympischen Spiele in Beijing entschieden. Die olympische Idee steht für Frieden, Dialog und Völkerverständigung. ...... China und seinen Menschen bietet die Olympiade die einmalige Chance, sich nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem gesellschaftlich weiter zu öffnen. Wir hoffen und gehen fest davon aus, dass unsere chinesischen Partner diese einmalige Chance ergreifen werden."



Winterkorns erste Teilrede: Er ist sichtlich stolz, sagen zu können, dass es das beste Jahr der VW-Geschichte ist. Er kann auf historische Rekorde verweisen bei Absatz, Umsatz und Ergebnis. 2007 konnte der Konzern seine Umsatzerlöse auf rd. 109 Mrd. € steigern, es wurden fast 6,2 Mio. Fahrzeuge ausgeliefert. Der Anteil am Weltmarkt beträgt nun 9,8% nach 9,5% im Jahr 2006. Das operative Ergebnis beträgt 2007 über 6,1 Mrd. €. Teil seiner Rede waren Informationen, die man auf anderen HVs häufig vermisst:
  • Hervorragende Entwicklung des Unternehmens an den Aktienmärkten
  • Volkswagen hatte von den börsennotierten Autobauern die beste Kursentwicklung
  • Der DAX wurde eindrucksvoll geschlagen
  • Der Dividendenvorschlag: 1,80 € pro Stammaktie und 1,86 € pro Vorzugsaktie
Da die Produkte des Konzerns jedem der Zuhörer geläufig sind, waren seine Ausführungen zu den Märkten verständlich und zuhörenswert:
  • 21 % Plus in Zentral- und Osteuropa
  • 28 % Plus in China
  • 32 % in Brasilien
Die stagnierenden Märkte in USA und Westeuropa konnte Winterkorn sehr deutlich qualifizieren: So ist in Deutschland der Automarkt um mehr als 9 % geschrumpft. (Konzern minus 4,6 %). Die Ursachen liegen u.a. in der gestiegenen Mehrwertsteuer, den steigenden Mobilitätskosten, aber auch in der Verunsicherung im Bezug auf die Klima- und Steuerdiskussion.

Es folgte die traditionelle Kurz-Präsentation der einzelnen Fahrzeugtypen. Genannt seien hier der sparsamste Golf aller Zeiten mit nur einem Verbrauch von 4,3 Litern auf 100 km und den Polo BlueMotion mit 99 g/km CO2. Wer im Moment nicht an ein neues Fahrzeug gedacht hat, bekam hier und heute Lust darauf: Die Ausstellung der Volkswagen-Fahrzeugflotte war ein anregendes Buffet.

Auf kaum einer Hauptversammlung wird den Aktionären so viel Informationsmaterial geboten wie bei Volkswagen. Davon machten die Aktionäre reichlich Gebrauch. Neben dem 300 Seiten starken Geschäftsbericht konnten sie viele bunte Auto-Prospekte mitnehmen.

Grafiken und Tabellen auf der Leinwand bedürfen nach wie vor der Überarbeitung. Warum ist es eigentlich so schwer, lesbare und einprägsame Strukturen zu gestalten? Anderen HV-Machern gelingt es doch auch.

Winterkorns Rede war plakativ formuliert, hatte auch einige zuhörende dynamische Formulierungen. Was ihr aber fehlt, ist die persönlich, sicht- und hörbare Begeisterung, wenn der "Chef" über die Leistungen seines Unternehmens spricht. Auch seine Welterfahrung kam in dieser Rede einfach nicht zum Tragen. Was kann, was weiß dieser Mann nicht alles! Trauen sich die Redenschreiber nicht, persönliche Sätze einzuflechten? Später, in der Aussprache, bei der Winterkorn frei vortragen konnte, lernte man die Person als sympathisch und souverän kennen. Warum nicht auch in der Rede?

Die Internet-Aktionäre konnten, die Hauptversammlung komplett am Monitor verfolgen, was für die nicht gerade verwöhnten Aktionäre ein richtiger Luxus war. Was hier, oder bei ThyssenKrupp oder Münchner Rück ohne Probleme geht, warum schaffen die meisten anderen AGs dieses Angebot nicht?

Die Wahlen im Anschluss an die Aussprache erbrachten folgende Ergebnisse bei einer Gesamtpräsenz von 43,52 %:

Ja-Stimmen
 Top 2 Gewinnverwendung 99,99 %
 Top 3 Entlastung der Vorstandsmitglieder, jeder einzelne 97,28 %
 Top 4 Einzelentlastung des Aufsichtsrats
Prof. Dr. Piech 96,04 %
Peters 96,04 %
Blechner 96,04 %
Eller 96,04 %
Dr. Frenzel 96,04 %
Fröhlich 96,04 %
Dr. Gaul 96,04 %
Dr. Großmann 96,04 %
Härter 96,04 %
Hirche 96,01 %
Jacobs 96,04 %
Kunz 96,04 %
Lenz 96,04 %
Mosch 96,04 %
Neß 96,04 %
Oetker 96,04 %
Osterloh 96,01 %
Prof. v. Pierer 96,04 %
Ritmeier 96,04 %
Söfjer 96,04 %
Stumpf 96,04 %
Wehlauer 96,04 %
Dr.Wiedeking 96,04 %
Wulff 96,04 %
 Top 5 Einzelwahl von Mitgliedern des Aufsichtsrats
Wulff 95,32 %
Hirche 95,82 %
Dr. Porsche 95,61 %
 Top 6 Ermächtigung zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien 99,81 %
 Top 7 Zustimmung zu einem Unternehmensvertrag 99,97 %
 Top 8 Wahl des Abschlussprüfers 99,99 %
 Top 9.1 Ergänzungsantrag der Porsche Automobil Holding SE 60,49 %
 Top 9.2 Ergänzungsantrag der Hannoversche Beteiligungsgesellschaft 42,75 %
Sonderprüfungsantrag A des Aktionärs CLEANSTATE e.V 0,01 %
Sonderprüfungsantrag B des Aktionärs CLEANSTATE e.V 0,17 %

Die nächste HV findet statt am 23. April 2009 in Hamburg.