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News Archiv 2006

November 2006
Aktien als Touristenattraktion?


Kein Karnevalsscherz war die Idee, Passanten am Samstag vom Geldausgeben beim Einkaufsbummel weg und hin zum Thema „Geld anlegen“ zu locken. Der 4. Kölner Börsentag setzt eine gute Tradition von Regionalbörsen, Aktienclubs und Anlageberatern fort. Das Einzugsgebiet der Metropole deckt 1 Mio. Einwohner ab. Der Besucherstrom, der ab mittags deutlich anschwoll und alle Vortragssäle gut füllte, bestätigt das neue Konzept, alles auf einen Tag zu konzentrieren.

Die Architektur des historischen Gebäudes ist nicht gerade ausstellerfreundlich, schaffte aber eine sehr verdichtete Atmosphäre. Alles trat ohne viel Aufwand auf: ein Dispaly, ein Counter, aber ausreichend Standpersonal. Wer alles nutzen wollte, was ihm geboten wurde, hätte den vollen Tag gebraucht. Aktiengesellschaften waren rar, die Deutsche Post World Net wie immer dicht am Kunden.

Knapp getaktet waren die Fachvorträge parallel in drei Sälen. Hier hockten keine müden Messebesucher, sondern wissbegierige Zuhörer, spornten die Referenten an. Die Themen reichten von „Investitionen in die Zukunft“ über die „vier Rezepte gegen Börsenfrust“ bis zu „Asien boomt, Chinas Aktienmärkte erwachen“. Die alten Hasen im Publikum, auf Aktienanlagen als Altersvorsorge konditioniert, packten sich die praktischen Tipps ein, zum Beispiel wie man den Börsenteil der Zeitung für seine Investmentplanung nutzt. Keine Wahrsagerei, sondern kühle Kalkulation war die Prognose der Sparkasse KölnBonn: Der DAX wird weiter steigen, ein Wachstum von 2% in Europa und der Ölpreis sind die Rahmenbedingungen, um die Aktien zu halten – Ausnahmen bestätigen die Regel.

 



Geschäftsberichtsproduktion optimieren


An einem Geschäftsbericht wirken viele Experten mit. Das hat seinen Preis: Fotoshootings, das Design und natürlich alle Stufen der technischen Produktion. An dieser Schraube versuchen viele zu drehen. Dabei ist der finanzielle Aufwand nicht unbedingt ein Garant für einen gelungenen Geschäftsbericht.

Zum zweiten Mal liegt eine Studie zu den Produktionskosten von Geschäftsberichten vor. Die Studie erfasst ca. 90 Aktiengesellschaften aus dem DAX30, MDax, SDax und TecDax. Bepunktet werden Faktoren wie Farbigkeit, Bindung, Veredelung. Hinsichtlich der Farbigkeit ergab sich etwa, dass nur 30 % der geprüften Jahresberichte mit einem Vierfarbdruck auskamen. Beinahe die Hälfte setzte eine fünfte Farbe (oft die Hausfarbe). Spitzenreiter ist ein Unternehmen mit elf Farben. Da wird die Auswahl an Druckereien extrem eng. Auch die Bindung fällt sehr unterschiedlich aus: Es überwiegt die Schweizer Broschur, bei der der Buchblock hinten an den Umschlag geklebt wird und dadurch besonders gut aufschlägt. Die Buchblöcke sind meist geklebt, doch die Jumbos (ein Viertel) greifen auf die stabile, aber teure Fadenbindung zurück. Immerhin: die aufwendige, jahrelang populäre Wire-O-Bindung geht zurück.

Es fällt auf, dass die Aktiengesellschaften, die in einem Kostenpunkt günstig liegen, dies meist auch in den anderen Bereichen tun. So belegt zum Beispiel TUI den Platz 6 der günstigsten Geschäftsberichte, während die Heidelberger Druckmaschinen AG in vielen Kategorien am kostenintensivsten produzierte und damit die Liste der teuersten Geschäftsberichte anführt.

Was der Geschäftsbericht dem Unternehmen wert ist, bleibt kein Geheimnis. Ob dies dem Stellenwert des Aktionärs entspricht, ist aber keine Frage der Produktionskosten.





 

Die Kunst des Geschäftsberichts




Deutsche Aktionäre verbinden mit Geschäftsberichten nicht unbedingt positive Erfahrungen: Der Zahlenteil – der Nukleus des Geschäftsberichtes - ist oft so aufbereitet, dass er nur mühsam lesbar ist. Die Eckwerte des Unternehmens sind versteckt in hundert Seiten und verlangen Geduld zum Suchen. Dass diese Drucksachen Preise bekommen, muss ihnen verwunderlich erscheinen. Aber die Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, die auf einem amerikanischen Ranking basiert, präsentiert rund 200 Berichte des Geschäftsjahres 2005 aus der ganzen Welt, und zeigt, dass außerhalb von Deutschland manches anders ist.

Der erste Blick des Besuchers wird von den besonders aufwändig gestalteten Titeln eingefangen: Bunt, glänzend, glitzernd, mit Klappen, im Faltkarton, verschnürt oder mit einer Tarnkappe liegen die Geschäftsberichte reihenweise vor einem, geht der Griff automatisch dorthin. Beim Aufblättern ist man in der Regel enttäuscht: Die innere Optik hat oft wenig mit dem zu tun, was Cover und Claim versprechen. Das Motto, fast auf allen Titeln vertreten, ist austauschbar global: Die Schlagworte sind Growth, Transparency und Innovation.

Lohnender für den Aktionär sind in dieser Hinsicht die eher „unauffälligen“ Hefte: Im traditionellen DIN-A4-Format sind sie besser handhabbar als die gefälligen kleinen Formate, die widerborstig zuklappen, wenn man sie aufschlägt.

Was ist aus der Personality Show geworden, mit denen die amerikanischen Annual Reports jahrzehntelang prangten? Haben die Prozesse um Enron und WorldCom die Vorstände in ihrer visuellen Präsenz zurückhaltender werden lassen? Im Jahr 2005 muss man die Köpfe des obersten Management suchen – hier haben die USA das deutsche Understatement adaptiert.

Das Schwerpunktthema Fernost passt zur aktuellen Medienszene: China steht zur Zeit im Mittelpunkt, so auch in dieser Ausstellung. Selten sah man bisher chinesische Geschäftsberichte in so reicher Anzahl. Doch auch hier geht die Attraktivität meist nicht über den Titel hinaus, innen herrscht schlichte Arbeitswelt.

 


August 2006
Photokina zeigte die Schöne Neue Fotowelt


Bildbearbeitung war einmal ein Beruf für Spezialisten. Dank kinderleichter Software kann heute jeder Amateur seine Urlaubsbilder verschönern. Und morgen? Auf der Photokina 2006 in den neuen Kölner Messehallen wurden Kameras präsentiert, die direkt beim Fotografieren automatisch in die Bildgestaltung eingreifen: Gesichter werden ausgeleuchtet, Figuren verschlankt und stürzende Linien bei Weitwinkelaufnahmen begradigt. Vor Baudenkmalen werden die störenden Touristengruppen einfach wegretuschiert oder Personen vor einen beliebigen Hintergrund platziert. Das alles, ohne dass sich noch jemand an den Computer setzen muss – die Kameras erledigen das in Sekundenschnelle ganz allein.

Je selbstverständlicher die Computerzauberei wird, desto undeutlicher wird, was eigentlich noch ein authentisches Bild ist. „Beweiskraft“ haben Fotos nicht mehr: War es wirklich so sonnig im Urlaub, hatte wirklich jeder auf dem Gruppenbild so faltenfreie Haut – und war überhaupt jeder Abgebildete wirklich dabei? Die Computertricks sind kaum nachzuweisen, das haben Fotoreporter schon getestet. Und wenn die vollautomatischen Bearbeitungsfunktionen auch vor allem für den Amateurbereich entwickelt werden, so müssen sich doch auch die Profis diesen Fragen stellen. Wozu ein Riesenequipment an Beleuchtung auffahren, wozu Modelle stylen, Standorte casten, wenn man am Computer mit Lichteffekten spielen und Kompositionen beliebig verändern kann? Reicht bei einem Standard von 10 Megapixel nicht schon die Amateur-Ausstattung? Wie sieht die kreative Arbeit des Fotografen der Zukunft aus? Wer kann als Autor eines Fotos gelten: der Fotograf oder der Bildbearbeiter? Alles ist in Bewegung, zumindest diese Antwort konnte die Photokina den Besuchern geben.

 



Neuer Veranstaltungsort für Hauptversammlungen


Die Hauptversammlungen werden nicht zahlreicher, wohl aber die großen Hallen, die sich als Veranstaltungsort eignen. Letzter Neuzugang auf dieser Liste ist die brandneue Düsseldorfer Eishockey-Arena im Stadtteil Rath, der ISS-Dome. Kalte Füße holt sich hier niemand: Die Eisfläche kann über Nacht so abgedeckt werden, dass jede andere Veranstaltung darauf stattfinden kann. Bei einer Führung für die Düsseldorfer IHK-Mitglieder bestätigte der Geschäftsführer der Halle, Hilmar Guckert, dass sich der ISS-Dome auch für die Durchführung von Hauptversammlungen eignet. Durch das flexible Raumkonzept sei prinzipiell „alles machbar“: So könne der Innenraum komplett für das Podium genutzt oder wie bei Konzerten bestuhlt werden. Der Dome biete mit bis zu 10.000 Plätzen jedem Firmen-Event ausreichend Platz, betonte Guckert.

Düsseldorfer Hauptversammlungen finden bisher in der Stadthalle im Congress Center oder in der kleineren Philipshalle statt. Der neue Eispalast spielt mit seiner größeren Kapazität und der modernsten Technik in einer anderen Liga – hier könnten die Hauptversammlungen aller überregionalen großen Aktiengesellschaften ausgerichtet werden. Auch die Anbindung an die A44 ist ein gutes Argument dafür. Ein so spektakulärer Bau wie der ISS DOME mit seinem futuristisches Design wird sicherlich die eine oder andere AG verlocken, sich ihren Aktionären in diesem unverwechselbaren Rahmen zu präsentieren.





 


September 2006

Marketeers tagen und feiern in Düsseldorf


In Düsseldorf wurde der Verband gegründet, in Düsseldorf wird sein 50jähriges Bestehen gefeiert – das freut unseren Oberbürgermeister: Er wird für die Präsidenten aller Marketing-Clubs einen eigenen Empfang geben. Auch wer nicht zu diesem Kreis gehört, genießt den Spaßfaktor: Bei der Jubiläumsgala am 11. Oktober wird die Firma Hugo Boss im eleganten Rahmen des Lofthauses im Medienhafen mit dem Deutschen Marketing-Preis 2006 ausgezeichnet; Kulinarisches aus aller Welt und Unterhaltungsprogramm liefern den Rahmen fürs Networking.

Marketing ist ein weites Feld – wer (immer noch) nur an Werbung denkt, springt zu kurz. Im Programm des 12. Oktober hat diese mit einem Rückblick auf 100 Jahre Fernsehwerbung natürlich auch ihren Platz, doch geht es den Agentur- und Unternehmenschefs vor allem um die Zukunft. Hat der klassische Versandhandel mit den dicken Katalogen noch Zukunft? Wie sieht das Warenhaus von morgen aus, welche Rolle spielt das Internet für den Handel? Hat das Marketing die Herausforderungen der Globalisierung begriffen, wie wird mit demographischen Veränderungen umgegangen? Zu diesen Themen sprechen sowohl professionelle Theoretiker als auch erfolgreiche Praktiker: Ulrich Lehner von Henkel, Thomas Middelhoff von KarstadtQuelle, Hans Rudolf Wöhrl für dba und LTU. Die Junioren des MC Düsseldorf erholen sich anschließend bei einem „Marketing-Cocktail“ in der Altstadt. Düsseldorf festigt seinen Rang als Marketing-Metropole.

 
IAM: Anlegermesse in Düsseldorf




Vermögensbildung ist im Hinblick auf die Altersvorsorge heute ein Thema für jedermann. Wer nicht alles in die Hände seiner Hausbank geben will, kann sich auf der Internationalen Anlegermesse (IAM) informieren, die vom 15.-17. September 2006 in Düsseldorf stattfindet.

Das neue Messekonzept stellt die Privatanleger explizit in den Mittelpunkt. So wird die Messe ab 2006 jährlich durchgeführt und das auch am Wochenende, wenn Berufstätige Zeit haben. Die Liste der Aussteller ist lang, und wer bisher nur sein Sparschwein gefüttert hat, wird mit vielen neuen Kenntnissen und Prospekten über Investmentfonds, Zertifikate und Derivate, Anlagen in Gold und Rohstoffen nach Hause gehen. Vielleicht nimmt er sogar Kontakt zu einem Investment-Club auf, kauft sich ein schönes historisches Wertpapier oder entscheidet sich, sein Geld nur noch in nachhaltigen Projekten anzulegen. Der Themenpark „Grünes Geld“ gibt hierzu Anregungen. Rund um die Ausstellung werden viele Veranstaltungen angeboten, die Einsteigern in Sachen Geldanlage helfen: Workshops vermitteln Grundlagenwissen, Podiumsdiskussionen und Vorträge an den Ständen liefern aktuelle Tipps.

In dem neuen Messekonzept wird den professionellen Anbietern ein eigener Tag eingeräumt. Am 14. September, dem Tag vor der Eröffnung, findet der 1. Kongress für Finanzkommunikation statt. Public Relations und Investor Relations-Manager aus Aktiengesellschaften diskutieren Ziele und Hürden der Unternehmenspublizität: Wo zieht man die Grenzen zwischen Veröffentlichungszwängen und Informationsnutzen, wieviel Kommunikation und welche Art der Kommunikation dienen dem Anleger?

 


Geschäftsberichte im Wettbewerb


Zweihundert Gäste folgten dem Key Speaker mehr oder weniger erfolgreich, denn den Unterschied zwischen Private Equity (Finanzinvestoren) und Hedge-Fonds (Heuschrecken) erläuterte Stephen Schwarzman, Gründer von Blackstone, in seiner Muttersprache.

Dass die Blue Chips den Wettbewerb dominieren, wundert nicht, ist hier doch Kompetenz und Manpower am höchsten. Doch Platz 2 der Gesamtwertung räumt ein MDAX-Wert, die Heidelberger Druck, traditionell im Spitzenfeld.

Die „Berichtseffizienz“, eine der Wettbewerbs-Kriterien, brachte diesmal den Sieg: Die Deutsche Post World Net hat mit ihrem besonders transparenten und kurzen Bericht die Jury überzeugt. Vorstandschef Klaus Zumwinkel nahm persönlich in Frankfurt die Ehrung entgegen. Umso schockierender die Mitteilung, dass diese, durchaus umstrittene Kategorie im kommenden Jahr wieder verschwinden soll.

Noch ein Geheimnis wurde bei der Preisverleihung gelüftet: Die Kategorie „Finanzkommunikation“ wurde gar nicht mehr bewertet. Ist das eine Reaktion auf die Kritik aus den Reihen der Unternehmen oder Einsicht der Juroren? Wohin wird sich das Ranking entwickeln?

Die Richtlinien und Regularien werden Jahr um Jahr umfangreicher und blähen die Geschäftsberichte auf. Dieses Volumen zu strukturieren und übersichtlich zu präsentieren, ist die Herausforderung an die AGs. Dass dies nicht einfach ist, erklärt, warum die geprüften Geschäftsberichte insgesamt etwas schlechter als im Vorjahr eingestuft wurden.

 


August 2006
Endspurt für HV-Veranstalter


Seit Januar läuft sie, die HV-Saison 2006. In den Sommerwochen tröpfelten die Termine nur noch, aber zum Ende des Monats August wird der Terminkalender noch einmal voll. Denn bei den meisten Gesellschaften entspricht das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr, und damit ist der 31. August die letzte Chance für einige Aufsichtsratsvorsitzende, ihre Hauptversammlung getreu dem Aktiengesetz fristgerecht abzuhalten.

Mit dieser Deadline kalkulieren immerhin 17 Aktiengesellschaften (Quelle: SdK). Allein der zweiten Augusthälfte kulminieren noch einmal 90 Hauptversammlungen – ein lebhafter Austausch mit den Investoren kurz vor Toresschluss. Erwartungsgemäß sind viele unbekanntere Namen darunter, aber auch Borussia Dortmund und die Bayreuther Bierbrauer haben das Ende der Fußball-WM abgewartet, bevor sie ihre Aktionäre einluden. Und auch Zuspätkommer gibt es gar nicht wenige: Zur ordentlichen Hauptversammlung im September laden mindestens vierzehn Aktiengesellschaften. Rechnet man die außerordentlichen Hauptversammlungen hinzu, gibt es weiterhin genug Gelegenheiten, in Zeiten schwindender Aktionärszahlen das Gespräch zwischen Anlegern und Vorständen zu pflegen.

 


Privataktionäre laufen in hellen Scharen davon


Gewinnmitnahmen, der Rückgang der Kurse, die Angst vor einer Besteuerung von Kursgewinnen – all das könnten Ursachen für den scharfen Rückgang der Aktionärszahlen sein. Das DAI stellt in seiner Kurzstudie vom 9. August 2006 fest, dass die Anlageform Aktie bei allen befragten Gruppen (ca. 15.000 Befragte) gleichermaßen Anhänger verliert: Ob Belegschaftsaktionär oder Fondsbesitzer, reiner Aktienbesitzer oder Besitzer von Aktienfondsanteilen, Deutschland Ost oder West – alle verkaufen ihre Aktien.

In diese Stimmung hinein platzten Hiobsbotschaften klassischer „Volksaktien“: Die Deutsche Telekom sorgte mit Gewinnwarnungen für Aufregung, die TUI-Aktie – älteste Volksaktie Deutschlands - brach ein. Die Rolle der sogenannten Volksaktien ist nicht zu unterschätzen, denn diese von Kleinanlegern bevorzugten Papiere sind in privaten Depots häufig die Schwergewichte. Wenn deren Kurse nach unten gehen, sehen viele Anleger ihre Altersvorsorge in Gefahr. Die Flucht aus der Anlageform Aktie ist die Konsequenz. Die Konzerne sehen die „Kleinen“ nicht gern gehen: Sie gelten als verlässliche, langfristige Investoren, im Gegensatz zu den Institutionellen, die eher auf kurzfristige Gewinne setzen.

Dass die privaten Anleger den Aktiengesellschaften wichtig sind, spüren sie kaum. Die Investor-Relations-Arbeit wendet sich fast ausschließlich an institutionelle Anleger, die bevorzugt informiert und umworben werden. Die Kleinanleger bekommen nur einmal jährlich, nämlich auf der Hauptversammlung, gezielt Aufmerksamkeit – und da werden sie oft mit auf Würstchen und Standard-Informationen abgespeist. Wenn die Unternehmen die Privatanleger zurückgewinnen wollen, werden sie sich für diese „Kunden“ mehr einfallen lassen müssen.

 


Juli 2006

Rankings ohne Ende: Wo steht Düsseldorf auf den Treppchen?


Den Titel des Rekordmeisters in der Werbung verteidigt Düsseldorf erfolgreich seit zehn Jahren, wenn man den Umsatz der Agenturen vergleicht: 4,2 Mrd. Euro, weit vor Hamburg mit 2,2 Mrd. und Frankfurt mit 1,8 Mrd. Euro. Und das, obwohl Hamburg doppelt so viel Agenturen aufweist (1.862) wie Düsseldorf (923).

Auch an der Börse spielen wir in der Spitzengruppe mit: Der Börsenwert der in der Stadt ansässigen Unternehmen wird bundesweit nur noch von München getoppt. Börsennotierte Unternehmen in Düsseldorf sind Eon, Henkel, IKB Deutsche Industriebank, Metro und die Rheinmetall AG – sie bringen die Stadt auf Platz 2 in diesem Ranking. Frankfurt folgt erst auf Platz 4.

Wo Geld zirkuliert, gibt es viele Neugründungen und viel zu regeln. Abermals Platz 2 bundesweit belegt Düsseldorf bei der Anwaltsdichte, gleich hinter Frankfurt. 2005 wurde ein Zuwachs von 8,3% Neuzulassungen im Bereich der Düsseldorfer Rechtsanwaltskammer verzeichnet. Von den wichtigsten 20 Kanzleien Deutschlands sind 13 in Düsseldorf vertreten.

 



Welttourismusbericht: Wie krisenanfällig ist der Tourismus?


Lokale Katastrophen haben, so schlimm die Fernsehbilder auch sein mögen, keine dauerhaften Folgen für die globalen Reiseströme, stellt die Welttourismusorganisation UNWTO in ihrem neuen Bericht fest. Viel wichtiger ist die generelle wirtschaftliche Lage. Weil die Weltwirtschaft momentan in einer positiven Phase ist, erfreut sich auch die Reisebranche einer stabilen Nachfrage. Wer auf ein sicheres Einkommen vertraut, gibt Geld für den Urlaub aus. Der Tsunami-Schock ist überwunden, berichtet die UNWTO; das Asiengeschäft zieht kräftig an, die Zahl der Touristen in der Asien-Pazifik-Region wuchs um 8%. Selbst der Nahe Osten verbuchte ein Plus von 11%. Solche Werte stimmen die Reisebranche froh. Doch die nächste Sorge lauert schon: Sollte die Vogelgrippe mutieren und von Mensch zu Mensch übertragbar werden, rechnet die Tourismusbranche mit dramatischen Auswirkungen auf das Reisegeschäft – schon 2005 verlor die Türkei wegen der Vogelgrippe-Angst 7% an Besuchern. Und wie sieht es mit dem WM-Effekt für Deutschland aus? Die Fußballtourismus-Zahlen sind noch nicht ermittelt. Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) geht davon aus, dass die Übernachtungen im Zuge der Weltmeisterschaft ansteigen werden, im Jahresmittel aber nicht viel Effekt zeigen werden – mehr als ein Anstieg um 4% wird nicht erwartet.

 


Mai 2006

Düsseldorf: Flughafen hebt ab, aber Tunnels sind unterirdisch

Wie gut ist unsere Stadt? Das individuelle Lebensgefühl lässt sich nicht verallgemeinern; doch aus aktuellen Daten und Fakten ergibt sich ein „Zeugnis“ für Düsseldorf.
  • Der Sommerflugplan des Düsseldorfer Flughafens zeigt, dass dieser Verkehrsknotenpunkt immer bedeutender wird: Ein Plus zum Vorjahr von 13% an Starts und Landungen, 70 Langstreckenverbindungen, darunter Ziele wie Los Angeles, Dubai, Chicago. In der Luft zeigt der Daumen für Düsseldorf also nach oben.
  • „Runter kommen sie immer“ – auch die Flugreisenden mit der Destination DUS. Und sollten sie dann in ein Auto steigen und den Universitätstunnel der A 46 benutzen, senkt sich der Daumen: Die ADAC-Tester halten die Sanierung dieses Tunnels für dringend geboten. Note: mangelhaft.
  • Beim Stichwort „Verkehrsanbindung“ kann Düsseldorf in allen Rankings punkten: Bahn, Autobahnen, Flughafen – bestens. Doch ein Stiefkind der städtischen Verkehrspolitik ist der Fahrradverkehr, trotz des beispielhaften Nachbarn Holland. In der Arbeitsgemeinschaft „Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in NRW“ ist die Landeshauptstadt noch nicht einmal Mitglied. Bewertung: ausbaufähig.
  • Wohnen in Düsseldorf ist angesichts der guten Lebensqualität attraktiv. Man muss es sich aber erst mal leisten können. Die Stadt gehört zu den TOP 3 beim Kaufpreis für Wohnimmobilien. Am Rhein ist es besonders teuer: Ober- und Niederkassel, aber auch das Zooviertel. Bewertung: Exklusiv ...
  • Die Wirtschaft liebt Düsseldorf. Die Stadt ist fast schuldenfrei. Zählt man den Börsenwert der ansässigen Unternehmen zusammen, kommt Düsseldorf bundesweit auf Platz zwei – hinter München, aber vor Bonn und Frankfurt. Prädikat: Besonders wertvoll.


 


April 2006

Geld in Aktien anlegen – ein Spaß für gut Informierte


Privatanleger sind fleißige Mediennutzer: mehr als der Bevölkerungsdurchschnitt lesen sie Tageszeitungen und Magazine, sehen sich Wirtschaftssendungen an und klicken sich durch Online-Dienste. Dabei haben die Printmedien immer noch die Nase vorn. Geht es um konkrete Entscheidungen, werden dann die gedruckten Informationen der Banken herangezogen. Das ergab jetzt die FOCUS-Studie „Der Markt der Finanzanlagen“.

Als Vorteil der Printmedien wird genannt, dass die Information nachgelesen werden kann. Der Nachteil liegt auf der Hand: Bei der Aktualität haben Funk, Fernsehen und Internet die Nase vorn. Beliebt sind Finanzportale wie OnVista und Finanztreff. Auch Online-Banking findet immer mehr Freunde. Einer der gravierendsten Schwachpunkte ist dabei die Nutzerfreundlichkeit: Wenn 93 % der deutschen Internetnutzer regelmäßig den Zugriff auf Websites von Banken abbrechen (Emnid-Befragung), haben die Anbieter hier noch viel zu tun. Die Gründe sind breit gefächert: Informationen können nicht ausfindig gemacht werden, werden nicht verstanden, der Überblick geht verloren oder Sicherheitsbedenken tauchen auf.

Die Welt der professionellen Investoren bei Banken und Fonds sieht nur auf den ersten Blick ganz anders aus. In ihrem „Kapitalmarktpanel 2006“ befragten die vdi-Nachrichten institutionelle Anleger nach ihrer Einschätzung der Investor Relations deutscher Aktiengesellschaften. Analysten und Institutionelle Investoren haben zwar exklusive Informationsquellen wie Roadshows und One-on-One-Gespräche, in denen sie den börsennotierten Unternehmen auf den Zahn fühlen können. Doch wenn Defizite der Investor-Relations-Angebote genannt werden sollen, kommen die gleichen Bedürfnisse zutage wie bei den Privatanlegern: Die Informationsqualität und –tiefe wird von über der Hälfte als verbesserungswürdig angesehen, und 41 % der Experten wünschen sich aktuellere Informationen. Hiermit sind weder der Geschäftsbericht noch die Quartalsberichte gemeint. Schnell, verlässlich und immer aktuell können Unternehmen nur über das Internet informieren. Ergo: Ein besseres Angebot im Internet kommt privaten wie professionellen Anlegern zugute.

 


Städteranking: Gut leben und arbeiten in Düsseldorf

In der Studie von Mercer Human Resource Consulting wurde erfragt, wie gut die Lebensqualität in den einzelnen Städten zu beurteilen ist. Ein Punktesystem listet politische Stabilität, Kriminalitätsrate und Bankservices ebenso auf wie Schulstandards, Pressefreiheit und Sportangebot – eben alles, was im täglichen Leben wichtig ist. Das Ranking dient in erster Linie dazu, festzustellen, ob und in welcher Höhe ein Zuschlag gezahlt werden muss, wenn ein Mitarbeiter im Ausland arbeitet.

Keine Chance auf „Buschzulagen“ haben Angestellte, die von ihrer Firma nach Düsseldorf entsandt werden – in Deutschland hat die Stadt am Rhein sogar München abgehängt. Die gute Verkehrsanbindung und die Internationalität der Stadt sind für zeitweise hier arbeitende Ausländer wichtige Argumente. Auch wenn die Einheimischen gar nicht befragt wurden, zeigte sich Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin stolz auf das Ergebnis und sieht sich in seinem Kurs bestätigt. „Die Platzierung ganz vorn belegt, dass wir in Düsseldorf den richtigen Weg bei der Ausrichtung der Stadt gegangen sind“, so Erwin.

 


Interesse am Thema Geldanlage wächst



Wenn knapp die Hälfte der Messebesucher sogar eine Anfahrt von über 100 km auf sich genommen hat, lässt das auf ein gestiegenes Informationsbedürfnis zum Thema Geldanlage schließen. Gründe dafür sind ein gutes Aktienjahr mit steigenden Dividenden und die aktuell positive Stimmung an den Finanzmärkten; die öffentliche Diskussion über die Altersvorsorge steigert ebenfalls die Nachfrage nach Grundlagen für kluge Finanzentscheidungen.

Großen Zulauf fanden vor allem die Vorträge. Auf kleinen Podien und in Vortragssälen gab es komprimierte Information im Halbstundentakt, sowohl für allgemein interessierte Besucher als auch für Spezialisten. Kriterien für die Auswahl von Fonds, mittelfristige Aussichten wichtiger DAX-Werte, geförderte Altersvorsorge – solche Themen sprechen auch Neulinge an, die sich zum ersten Mal auf die Anlegermesse gewagt hatten. Sie machten immerhin 45% der Besucher aus. Mit Einzelfragen konnte sich jeder an die Aussteller wenden: Banken, Fondsgesellschaften, Börsen, Finanzagenturen waren auf der Messe vertreten. An den Ständen wurden drei Tage lang laufend persönliche Beratungsgespräche geführt; dabei wurde ein hoher Wissensstand der Besucher registriert.

Der Bedarf an Information zum Thema Geldanlage gibt auch der im September folgenden Düsseldorfer Anlegermesse IAM Rückenwind. Deren Veranstalter haben sich entschieden, die Messe künftig jährlich statt nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, und sie legen ihren Schwerpunkt eindeutig auf den Privatanleger. Der Zulauf zur Invest gibt ihnen Recht.

 


März 2006
Düsseldorf punktet in Berlin

Als „bester Aussteller“ in der Sparte Deutschland kehrten die Messeteams aus Düsseldorf, Köln und Bonn aus Berlin zurück. Der „Best Exhibitor Award 2006“ wird von Studenten der Cologne Business School verliehen. Die Jury bewertete die rund 10 800 Aussteller auf der ITB nach Design, Service, Aktivitäten und Gesamteindruck.

Die „drei von der Rheinschiene“ präsentierten sich auf 750 m² - das ist so viel Fläche wie der Stand von ganz Italien. Unter organisatorischer Leitung der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH war nicht nur einer der größten, sondern auch spannendsten Auftritte entstanden. Was Düsseldorf, Bonn und Köln bieten, konnten die Besucher nicht nur in Prospekten lesen, sondern auf einer Piazza, in einem Kulturcafé und einem typischen Bierausschank erleben. Düsseldorf wurde von über 60 Partnern unterstützt und präsentierte auch Attraktionen des Umlandes, wie das Neanderthal Museum.

Mehr als drei Viertel der ITB-Aussteller kamen aus dem Ausland. Die Profis der Reisebranche nutzten die Plattform für Geschäfte, neue Kontakte und neue Ideen; private Besucher informieren sich über ihre Traumziele. Die Messe ist die größte Tourismusmesse der Welt, über 180 Länder waren vertreten.

 


Februar 2006
HV-Präsenz steigt

Statistisch relevant ist die Stichprobe noch nicht, doch die ersten Hauptversammlungen 2006 fanden ein deutlich erhöhtes Interesse bei den Aktionären. Mehr Vertreter von Banken und Fonds nahmen den Weg zur HV auf sich, um sich vor Ort zu informieren und abzustimmen. Diese institutionellen Investoren sind deshalb so wichtig, weil die „Präsenz“ auf Hauptversammlungen nicht nach anwesenden Personen, sondern nach vertretenem Grundkapital bemessen wird – und das liegt vor allem in der Hand von Institutionen.

Siemens hatte Ende Januar mit der höchsten Präsenz seit 2003 schon die neue Windrichtung gespürt: 37,5% gegenüber 32,2% im Vorjahr. Auf der Außerordentlichen Hauptversammlung der Allianz am 8.2.06 in Düsseldorf, bei der über die Umwandlung des Unternehmens in eine Europa AG abgestimmt wurde, wurde sogar eine Präsenz von 42,5% festgestellt – ein Fünftel mehr als im Mai 2005. Und das, obwohl mit 3600 Anwesenden noch nicht einmal zwei Drittel der sonst üblichen etwa 6000 HV-Teilnehmer den Weg nach Düsseldorf gefunden hatten.

Ob die institutionellen Anleger auch bei der regulären Hauptversammlung der Allianz AG am 3. Mai 2006 in München wieder so zahlreich erscheinen werden, bleibt abzuwarten. Die wichtige Entscheidung, ob die Allianz mit ihrer italienischen Tochter verschmelzen und zur Europa AG werden solle, sollte offenbar nicht dem Zufall überlassen bleiben – diese außerordentliche HV ist daher nicht mit den regulären Aktionärsversammlungen zu vergleichen. Nun stehen die nächsten Hauptversammlungen genau unter Beobachtung: War die erhöhte Kapitalpräsenz ein Zufall oder hält der Trend an?


 
Februar 2006
ThyssenKrupp: Hauptversammlung mit Überraschung

 HV ThyssenKrupp AG am 27.1.06, Bochum
 Präsenz: ca. 6.000 Aktionäre
 Dividende: 0,80 € (incl. 0,10 € Sonderausschüttung), Vorjahr: 0,60 €
 Umsatz Konzern: 42,064 Mio. €

Wer meinte, nach der Rede des Vorstandsvorsitzenden Ekkehard Schulz könne nichts Spannendes mehr kommen, wurde überrascht. Die Aussprache der Aktionäre war in vollem Gange, als Aufsichtsratsvorsitzender Cromme die Veranstaltung unterbrach und Schulz wieder das Wort erteilte. Dieser berichtete den überraschten Aktionären von der bereits unterschriebenen Vereinbarung mit der Mittal Steel Company Ltd. Grund für diese ungewöhnliche Art der Ankündigung war, dass die Mittal Steel soeben mit dieser Information an die Öffentlichkeit gegangen war.

Fakten sind damit noch keine geschaffen, die Übernahme hängt noch an vielen Bedingungen. Doch allein die positive Aussicht ließ den Börsenkurs um über 8% steigen, die Aktionäre auf der Hauptversammlung reagierten mit Applaus. Dieser bezog sich auch auf die gesamte Lage des Konzerns und auf die guten Aussichten für das laufende Geschäftsjahr: „Thyssen muss man küssen!“

Bei den Informationen setzte ThyssenKrupp neben den Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden vor allem auf seinen Geschäftsbericht. Der fällt durch seine beeindruckende Ausstattung auf: passend zum Thema Stahl glänzt der Umschlag metallisch, die eingestanzten Erdteile weisen auf den globalen Auftritt des Unternehmens hin. Mit dem reichlichen Einsatz verschieden strukturierter, teils transparenter und farbiger Papiere wird die Aufmerksamkeit des Lesers immer wieder geweckt, ein Griffregister erleichtert die Orientierung. Die interessante Gestaltung und die klare Strukturierung des Geschäftsberichts machte Eindruck auf die Aktionäre, die in ihren Wortmeldungen auf der Hauptversammlung lobende Worte dafür fanden.







Geschäftsbericht veröffentlichen – auch für GmbHs sinnvoll?

Für mittelständische Unternehmen, die nicht börsennotiert sind, hat sich die Frage nach einem Geschäftsbericht bisher so nicht gestellt. Doch wer heute Kapitalgeber sucht, muss sich standardisierten Ratings unterziehen und Auskunft über Kunden und Märkte, Risiken und Chancen geben. Dafür kann ein Geschäftsbericht sehr hilfreich sein, argumentiert die Autorin des Beitrags, Juliane Köhler, Mitarbeiterin unserer Agentur.

Gerade für Geschäftsberichts-Anfänger enthält der Artikel viele praktische Hinweise, die es erleichtern, die ersten Schritte zu tun. Welche Inhalte brauche ich? Wie muss mein Geschäftsbericht aufgebaut sein? Wer kann mir helfen? Antworten auf diese generellen Fragen gibt es ebenso wie die konkreten Checklisten, die regelmäßige Leser der Praxishandbücher im Verlag für die Deutsche Wirtschaft gut kennen.

Eines der Anliegen dieses Handbuchartikels ist es, auch auf den anschließenden Einsatz des Geschäftsberichts hinzuweisen. Wie viele mit großem Aufwand hergestellte Geschäftsberichte lagern schließlich ungelesen in Kartons? Mit Tipps zum Versand und Hinweisen, wo ein Geschäftsbericht überall nutzbringend eingesetzt werden kann, werden die Unternehmer ermuntert, auch bei der Verbreitung ihres Berichts so großzügig und einfallsreich wie bei der Herstellung zu denken.







Januar 2006
Pointen, Lob und Tadel nach 175 Jahren: Jubiläumsfest der IHK Düsseldorf

Bundestagspräsident Norbert Lammert machte in seiner Rede klar, dass die Zeit der Kammergrenzen vorbei ist – Unternehmen orientieren sich heute global, anders als in der Zeit der Ärmelschoner und Federkiele vor 175 Jahren. Seitdem hat sich auch die Struktur der Wirtschaftsregion gänzlich geändert. Wo früher die Schwerindustrie mit qualmenden Schloten das Bild bestimmte, treffen sich heute die Angestellten der Dienstleister zum Lunch. Mode, Unternehmensberatung, Automobil-Zulieferung, Werbung: Das sind die Wachstumsbranchen der Region Düsseldorf.



Das festliche Programm bot den hochkarätigen Gästen außer Orchestermusik und verlockendem Buffet auch inhaltsreiche Reden mit kritischen Tönen. Die anwesende Wirtschaft wurde von Festredner Lammert aufgefordert, sich aktiv an der Zukunft Deutschlands zu beteiligen. Scharf ging er mit der Selbstbedienungsmentalität einiger Top-Manager ins Gericht: Statt „nackter Gier“ forderte der Bundestagspräsident mehr Verantwortung, er erinnerte an die Sozialverpflichtung des Kapitals. IHK-Präsident Franzen, der in seiner Rede die historische Entwicklung der IHK skizzierte, präsentierte auch keine heile Welt. Dass die IHK nicht nur in Harmonie mit der „Obrigkeit“ lebt, zeigen die Differenzen mit der Stadt über die Planung der Bilker Arcaden – aktuelles Kapitel einer Beziehung, in der es immer wieder Auseinandersetzungen gab.

Für einen umfassenden Rückblick auf 175 Jahre Wirtschaftsgeschichte des Düsseldorfer Raumes ist aber auch die längste Festrede zu kurz. IHK-Präsident Hermann Franzen überreichte den etwa 1500 geladenen Gästen deshalb zum Abschied einen reich bebilderten und gut gelungenen Band mit einer Darstellung der Geschichte der IHK Düsseldorf über 175 Jahre.




Die Hauptversammlungs-Saison 2006 beginnt

Das gute Geschäftsjahr 2005 wird es vielen AGs ermöglichen, ihre Aktionäre mit Dividendenzahlungen zufrieden zu stellen. Durch das neue UMAG sind die Veranstalter jedoch noch sehr mit den geänderten Rahmenbedingungen beschäftigt; mit Innovationen rund um die HV wird daher nicht gerechnet. Das neu geregelte Rede- und Fragerecht, die Anmeldepflichten und viele andere Details müssen in der Praxis erweisen, ob sie den Zweck des UMAG erfüllen können: nämlich die Hauptversammlungen zu straffen und effizienter zu machen.

Eine Auswahl von HV-Terminen bis Ende April 2006 (Quelle: www.hv-info.de):

  • 26.1.06 Siemens DAX
  • 27.1.06 Porsche G.
  • 27.1.06 ThyssenKrupp DAX
  • 08.2.06 Allianz DAX (außerordentliche HV)
  • 16.2.06 Infineon DAX
  • 21.2.06 Wincor Nixdorf MDAX
  • 27.1.06 Roche STOXX
  • 28.2.06 Novartis STOXX
  • 02.3.06 Techem MDAX
  • 15.3.06 Douglas MDAX
  • 10.4.06 Henkel DAX
  • 12.4.06 DaimlerChrysler DAX
  • 13.4.06 RWE DAX
  • 19.4.06 Münchner Rück DAX
  • 20.4.06 Puma MDAX
  • 27.4.06 ABN STOXX
  • 27.4.06 Celesio MDAX
  • 28.4.06 Bayer DAX
  • 28.4.06 SGL Carbon MDAX




Stichtag 1. Januar – was ändert sich im Neuen Jahr?

Wird’s besser, wird’s schlimmer, so fragt man alljährlich ... wie sich die Neuerungen aus Politik und Wirtschaft auswirken, werden wir im Lauf des Jahres 2006 erfahren:

  • Profilneurose? Ab dem 1. Januar ist es nicht mehr einfach Pech, wenn Sie auf glatter Straße ins Rutschen kommen. Dann werden geeignete Reifen – zur Winterzeit also Winterreifen – nämlich Pflicht.
  • Lückenbüßer? Die postalische Anschrift wird optimiert: Die gewohnte Lücke zwischen Straße und Ort fällt nach Neujahr weg. Auch das Länderkürzel vor der PLZ verschwindet, stattdessen wird das Land in Großbuchstaben unter die Stadt geschrieben.
  • Häusle baue? Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr ... zumindest nicht mit Eigenheimzulage: Ab dem 1. Januar 2006 werden keine Anträge mehr angenommen.
  • Emanzipation? Männer-Bonus, ade: Lebensversicherungen und Riester-Rente bekommen Unisex-Tarife.
  • Selbst erklären? Wer sparen muss, steht vor einer schweren Entscheidung: Soll er sich den Steuerberater sparen? Denn dessen Dienste sind von Privatpersonen ab 1. Januar 2006 nicht mehr absetzbar.
  • Gläsernes Portemonnaie? Im Geschäftsjahr 2006 müssen börsennotierte Aktiengesellschaften die Bezüge ihrer Vorstände individuell offen legen. Es sei denn, die Hauptversammlung befreit die Vorstände von dieser Pflicht: Opt-out-Regelung heißt der Weg, der Öffentlichkeit den Blick ins Portemonnaie zu verwehren.